In der Berliner Parteizentrale herrscht ansonsten Grabesstimmung. Die FDP dagegen strotzt vor Selbstbewusstsein.

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Rücktritt nach der Wahl: Andrea Ypsilanti erschien der Bundes-SPD als Last.

Rücktritt nach der Wahl: Andrea Ypsilanti erschien der Bundes-SPD als Last.

dpa

Rücktritt nach der Wahl: Andrea Ypsilanti erschien der Bundes-SPD als Last.

Berlin. Man betritt die Parteizentrale mit dem sehr starken Eindruck, die Stimmung unter den Sozialdemokraten sei unsinkbar - weil bereits auf dem Meeresgrund angelangt.

Alle Anwesenden ahnen fest, was für ein hässliches hessisches Ergebnis auf sie zukommt. Dass an diesem Abend im Willy-Brandt-Haus noch gejubelt wird, würde man auch für viel Geld nicht voraussagen.

Nach den ersten Prognosen erscheint FDP-Chef Guido Westerwelle auf den Bildschirmen und sieht aus, als stehe er in Schuhen, deren Sohlen mit einer gelben 20 Prozent bepflastert sind.

Nach Westerwelle erscheint CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla, der einen "Abend der Freude" erlebt, weil der Wahlsieger Roland Koch heiße. Das erheitert die Sozialdemokraten ein wenig, die gerade noch darüber gesprochen haben, wie erfolgreich Koch CDU-Wähler daran gehindert habe, CDU zu wählen.

Als Andrea Ypsilanti in Wiesbaden vor die Kameras tritt, wird es still unter den Genossen in Berlin, bis sie sich zu den Sätzen vorarbeitet, "übernehme ich die politische Verantwortung ...".

Wie sie ihren Rücktritt von ihren Ämtern schließlich ausformuliert, kann man im aufbrandenden Applaus nicht verstehen. Viel Beifall gibt es auch für den Nachfolger Thorsten Schäfer-Gümbel, der neben FDP und Grünen ein wirklicher Gewinner der Wahl ist.

Müntefering: "Deutschland kann Schwarz-Gelb nicht gebrauchen"

Schlechte Wahlergebnisse werden üblicherweise von den Generalsekretären versuchsweise nach oben interpretiert. Ein katastrophales Wahlergebnis wie dieses behandelt SPD-Chef Franz Müntefering lieber selbst.

Die Partei ist nicht allein historisch abgestürzt. Auch die innige Hoffnung, die Linkspartei möge diesmal scheitern, hat sich nicht erfüllt. Der SPD-Chef spricht von einer Denkzettelwahl.

Man habe es CDU und FDP unnötig leicht gemacht, aber Hessen sei nicht über Nacht schwarz-gelb geworden. Eines Tages werde die SPD dort wieder vorn liegen.

Im Grunde eröffnet Müntefering für seine Partei den Lagerwahlkampf. "Deutschland kann Schwarz-Gelb nicht gebrauchen." Die SPD werde jetzt anfangen zu kämpfen. Der losrauschende Beifall deutet an, dass viele die Hessenwahl gerade im Parteiarchiv verstauen.

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