Delegationen wollen die Strategie für die nächsten eineinhalb Jahre festzurren.

Mal wieder im Mittelpunkt der Afghanistan-Konferenz: der afghanische Präsident Hamid Karzai.
(FotoReuters)
Mal wieder im Mittelpunkt der Afghanistan-Konferenz: der afghanische Präsident Hamid Karzai. (FotoReuters)

Mal wieder im Mittelpunkt der Afghanistan-Konferenz: der afghanische Präsident Hamid Karzai. (FotoReuters)

Mal wieder im Mittelpunkt der Afghanistan-Konferenz: der afghanische Präsident Hamid Karzai. (FotoReuters)

London. Seit mehr als acht Jahren kämpfen die internationalen Truppen in Afghanistan, aber ein Erfolg ist nicht in Sicht. Zwar schicken die USA 30.000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan, auch Deutschland stockt auf. Doch der Ruf nach einem Abzug der Soldaten wird immer lauter. Rund 70 Delegationen und Außenminister, darunter US-Außenministerin Hillary Clinton, der afghanische Präsident Hamid Karsai und der deutsche Außenminister Guido Westerwelle, kommen morgen in London zu einer Konferenz zusammen.

Welches sind die zentralen Themen?

Auf der Konferenz soll die Afghanistan-Strategie für die kommenden eineinhalb Jahre festgezurrt werden. Vor allem wird es darum gehen, wann und wie die Kontrolle über die Gebiete den afghanischen Sicherheitskräften übergeben werden kann. Bis Oktober 2011 will die westliche Koalition 170.000 afghanische Soldaten und 134.000 Polizisten ausbilden.

Daneben spielt der Kampf gegen die Korruption eine große Rolle. Die internationale Gemeinschaft will hier mehr Verpflichtungen von der afghanischen Regierung. Auch wird die Zusammenarbeit mit den Nachbarländern Afghanistans besprochen. Als besonders schwieriger Punkt gilt die Annäherung an die radikalislamischen Taliban.

Um was geht es bei der "Aussöhnung" mit den Taliban?

Diskutiert werden dabei zwei Dinge. Das eine ist die sogenannte "Reconciliation". Hier geht es darum, die Führung der Taliban in Verhandlungen einzubinden und gegebenenfalls auch irgendwann an einer Regierung zu beteiligen.

Der andere Punkt ist die "Reintegration" - also die Wiedereingliederung ehemaliger Taliban-Kämpfer in die Gesellschaft. Die Länder wollen dazu einen Fonds beschließen. Aus dem sollen unter anderem Jobs bezahlt werden, die die Taliban übernehmen können.

Wird ein Truppenabzug beschlossen?

Ein baldiges Ende der Afghanistan-Mission ist nicht vorgesehen. das geht aus dem Entwurf für die Abschlusserklärung der London-Konferenz hervor, der "Spiegel online" vorliegt.

Statt eines Abzugstermin steht in der Erklärung, "in den nächsten Jahren" sollten sich die internationalen Bemühungen schrittweise von "direkter Aktion hin zu einer Unterstützung" der afghanischen Regierung entwickeln. Einige Provinzen, die nicht als Taliban-gebiet gelten, sollen bereits "Ende 2010/Anfang 2011" an die Afghanen übergeben werden, die Truppen der Nato würden die lokalen Kräfte dann nur noch "unterstützen".

Die beteiligten Staaten waren erpicht darauf, dass kein konkretes Datum für einen endgültigen Abzug festgelegt wird. Aber Ende des Jahres oder spätestens zu Beginn 2011 sollen die afghanischen Sicherheitskräfte die Kontrolle über einige sichere Gebiete übernehmen. US-Präsident Barack Obama will im Sommer 2011 mit dem Rückzug beginnen. Experten halten das für zu optimistisch.

Geht es darum, wer mehr Soldaten nach Afghanistan schicken soll?

Derzeit sind rund 85.000 Soldaten aus 43 Ländern in der Schutztruppe Isaf im Einsatz, die von der Nato geführt wird. Nach der Verstärkung der Amerikaner wird die Zahl auf rund 100.000 steigen.

Das Mantra der Nato lautet: Das Ausland muss zunächst noch mehr Soldaten nach Afghanistan schicken, vor allem Ausbilder. Wenn dann genügend Soldaten und Polizisten ausgebildet sind, kann die Übergabe der Verantwortung an die Afghanen - im Klartext: der Rückzug der Isaf-Soldaten - beginnen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer