Familien profitieren mit einigen hundert Euro, für die meisten Rentner ist es weniger.

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Entlastungsbeispiele in Euro für verschiedene Steuerklassen und Einkommenshöhen.

Entlastungsbeispiele in Euro für verschiedene Steuerklassen und Einkommenshöhen.

Entlastungsbeispiele in Euro für verschiedene Steuerklassen und Einkommenshöhen.

Wie viel Euro hat der einzelne Bürger durch die Abgaben- und Steuersenkungen mehr in der Tasche?

Die Experten von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) haben die Entlastungen im Rahmen des 50- Milliarden-Euro-Pakets überschlagen: Ein Single ohne Kinder mit 30000 Euro Jahreseinkommen spart rund 269 Euro pro Jahr. Verdient er doppelt so viel, sind es 406 Euro. Alleinerziehende mit einem Kind kommen bei diesen Verdiensten auf 264 beziehungsweise 405 Euro. In Familien, wo der Vater arbeitet und die Mutter sich um die zwei Kinder kümmert, sind es bei 30 000 Euro Einkommen 314 Euro, bei 60 000 Euro rund 494 Euro Entlastung.

Ist der Kinderbonus von 100 Euro ein verkappter Konsumscheck?

Ja. Davon profitieren direkt vor allem Familien mit niedrigen Einkommen. Bei Besserverdienern wird der Bonus in der Steuererklärung mit dem Kinderfreibetrag verrechnet. Der einmalige Bonus soll schon im März oder April unkompliziert mit dem Kindergeld überwiesen werden.

Fallen die Verbraucher jetzt in einen Konsumrausch und kurbeln die Wirtschaft an?

Das hofft die Koalition. In der Vergangenheit brachten aber selbst große Steuerprogramme und Einmalzahlungen meist nicht den gewünschten Erfolg. In den USA überwies die Bush-Regierung im Sommer 2008 rund 70Millionen Amerikanern je knapp 1000 Dollar. Der große Nachfrageschub blieb aus. Gerade in Krisenzeiten scheuen die Verbraucher größere Anschaffungen. Wer es sich leisten kann spart.

Können die gesetzlich Versicherten von der Senkung der Kassenbeiträge langfristig profitieren?

Eher nicht. "Für die Versicherten ist das Risiko sehr groß, höhere Zusatzbeiträge zahlen zu müssen als die Entlastung um 0,3 Prozentpunkte ausmacht", sagt Christian Zahn, der Chef des Versicherungsverbandes vdek (Barmer, TK, DAK und andere). Der Verband vertritt 24,6 Millionen der rund 70 Millionen gesetzlich Versicherten. Noch vor der Bundestagswahl im Herbst werde es nach Ansicht von Thomas Ballast, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen, erste Zusatzbeiträge von Kassen in Finanznot geben.

Sinken die Versicherungsprämien für privat Krankenversicherte?

Dem Langenfelder bringt das Geldpaket nicht einen Euro. Müller ist privat krankenversichert, also ändert sich bei seinen Prämien nichts. Er hat als freier Journalist gearbeitet und hat deshalb auch nicht "geklebt". Eine Rente bekommt er also nicht. "Ich habe selbst vorgesorgt", sagt Müller. Da seine Einkünfte wegen der geringen Höhe nicht steuerpflichtig sind , bekommt er auch vom Finanzamt nichts zurück. Und das Auto seiner Frau ist sieben Jahre alt, eine Abwrackprämie gibt es dafür nicht. Unter Kinderbonus, der für Müllers Nachwuchs zu spät kommt, versteht der 77-Jährige etwas anderes. "Mein Enkel hat am Sonntag Geburtstag. Da bekommt er etwas von mir zugesteckt."

Der Familienvater aus Haan hat noch nicht ausgerechnet, wie viel Geld er durch das Konjunkturpaket II bekommen wird. "Es muss erschreckend wenig sein. Eine Wiedergutmachung auf Taschengeldniveau." In den letzten Jahren seien Familien beispielsweise durch die Einführung von Studiengebühren stärker belastet worden. Daher schätzt er, dass er mit dem zusätzlichen Geld aus der Senkung des Eingangssteuersatzes und des Krankenkassenbeitrags laufende Rechnungen bezahlen werde. Den Kinderbonus, der einmalig mit dem Kindergeld ausgezahlt wird, gibt er an seine Töchter Christine (17) und Katharina (19) weiter. "Für den Führerschein und das Studium."

Der Solinger Rentner ist sauer auf die "so genannten Politiker". Die sprächen zwar davon, dass der Bürger entlastet werde. "Aber was ist mit den Rentnern? Denn die sollen sich an der Schuldentilgung beteiligen. Das macht dann unterm Strich höchsten ein paar Cent mehr aus." Endgültig im Minus lande man, wenn Mitte des Jahres die Krankenkassen zuschlagen werden. "Da ist nichts für die Rentner gewonnen." Im Gegenteil. "Das war ja 2005 schon so mit der unverschämten Versteuerung der Renten. Im Prinzip ist die in Ordnung, aber nicht mit einem Einstiegssatz von 50 Prozent. Ich würde ja gerne nebenher noch etwas arbeiten oder vermieten. Aber das lohnt sich gar nicht."

Die Mutter von acht Kindern - drei sind bereits aus dem Haus - kann mit 500Euro Einmalzahlung für ihre fünf kindergeldberechtigten Sprösslinge rechnen. "In einer solch großen Familie ist Geld ja bekanntlich immer Mangelware. Je größer die Kinder, desto größer werden auch die Ansprüche", sagt die Krefelderin, die für die SPD im Stadtrat sitzt. Da komme die Finanzspritze aus Berlin gerade recht. Erschwerend kommt hinzu, dass in der Firma ihres Mannes ab Februar Kurzarbeit angesetzt ist und damit mit einem geringeren Einkommen zu rechnen ist.

Nein. Hier bleibt es bei den bisherigen Beiträgen.

Bleibt den Rentnern mehr Geld?

Wer nur eine kleine Rente bezieht und keine Steuern bezahlt, hat nichts vom Finanzamt zu erwarten. Gesetzlich versicherte Ruheständler könne sich einstweilen über ein paar Euro im Monat mehr freuen.

Besonders mies geht es den Autobauern. Wie will der Staat ihnen helfen?

Schon im Konjunkturpaket I gab es einen Steuerbonus. Wer einen Öko-Neuwagen kauft, zahlt bis zu zwei Jahre keine Kfz-Steuer. Bei Klein- und Mittelklasse-Wagen bringt das aber nicht viel. Um den dramatischen Absatzrückgang der wichtigsten Industrie-Branche zu stoppen, haben Union und SPD nachgelegt. Wer seinen alten Stinker verschrottet und auf einen Neuwagen umsteigt, bekommt einen Zuschuss von 2500 Euro. Welche Behörde die Prämie auszahlt, ist noch unklar.

Die deutschen Autobauer wollen doch vor allem teure Limousinen verkaufen, was haben sie von der Prämie?

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer hält den Zuschuss für ein Konjunkturprogramm für die Autobauer aus Frankreich, Italien, Rumänien und Asien auf Kosten der deutschen Steuerzahler. "Die Gewinner sind die Hersteller von preisgünstigen und kleinen Autos. Fast 90 Prozent der Autos unter 10000 Euro werden importiert."

Gibt es Branchen, die direkt von den Milliarden-Hilfen profitieren?

Ja, die Baubranche und viele Handwerksbetriebe. Bund, Länder und Kommunen wollen in den nächsten zwei Jahren 18 Milliarden Euro in die Infrastruktur stecken. Der Bau von Straßen, Schulen, Sporthallen, Kindergärten und Spielplätzen sichert Jobs und erhöht die Lebensqualität.

Wann kommt das dritte Konjunkturpaket?

Ausgeschlossen ist das nicht. SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte, keiner weiß, was in den nächsten Krisenmonaten auf Deutschland noch zukommt. Viel Spielraum hat der Staat nicht mehr, wenn er sich an den europäischen Schuldenpakt halten will. Die Neuverschuldung des Bundes steigt nach den Paketen I und II 2009 wohl auf den Rekordstand von 60 Milliarden Euro. Bislang war der damalige Finanzminister Theo Waigel (CSU) 1996 mit gut 40 Milliarden Euro Schuldenmeister der Nation.

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