Jeder Fünfte hat eine „sehr gute Meinung“ von den Nachbarn, die als ernsthaft, diszipliniert und organisiert gelten.

Merkel bei der Veranstaltung "10 Jahre gemeinsame europäische Währung" in Berlin.
Merkel bei der Veranstaltung "10 Jahre gemeinsame europäische Währung" in Berlin.

Merkel bei der Veranstaltung "10 Jahre gemeinsame europäische Währung" in Berlin.

THOMAS PETER

Merkel bei der Veranstaltung "10 Jahre gemeinsame europäische Währung" in Berlin.

Paris. Je langwieriger die Finanzkrise, desto häufiger fallen in Frankreich kritische Bemerkungen über den unerbittlichen Sparkurs der Deutschen. Der sozialistische Vordenker Arnaud Montebourg etwa geißelte unlängst das Berliner Stabilitätsdogma und warf Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gar eine egoistisch-aggressive „Politik à la Bismarck“ vor. Die überwiegende Mehrheit der Franzosen lässt dies aber kalt: 82 Prozent haben ein gutes Bild von Deutschland.

Eine von der Botschaft in Paris initiierte repräsentative Umfrage belegt, dass jeder fünfte Franzose sogar eine „sehr gute Meinung“ von den Deutschen hat. Aber es ist nicht der ausgelassen feiernde WM-Gastgeber von 2006, den die Franzosen schätzen, sondern die vor Kraft strotzende Wirtschaftsmacht, die Arbeitslosigkeit bekämpft, die Umwelt schützt und für innere Sicherheit sorgt.

„Krieg“, „Bier“ oder „Sauerkraut“ wurden kaum noch genannt

Um spontane Antworten gebeten, kamen den meisten (22 Prozent ) Begriffe wie „ernsthaft und streng“ in den Sinn – gefolgt von „Disziplin, Organisation, Ordnung, Redseligkeit“, „Arbeit“ sowie „Macht, Stärke, Solidität“ (jeweils zehn bis zwölf Prozent). Überwunden scheint die Zeit, als man mit „L’Allemagne“ eher „Hitler“ und „Krieg“, „Bier“ und „Sauerkraut“ in Verbindung brachte. Diese Begriffe wurden von den 1005 Befragten kaum noch genannt.

Bemerkenswert: Den zweithöchsten Wert (20 Prozent) erzielt die Nennung „Angela Merkel“. Für die Macher der Studie ein klarer Beleg, dass Merkel „diese Werte gut zu verkörpern scheint“. Und es ist zugleich ein weiterer Beweis dafür, dass die Kanzlerin in Krisenzeiten vielen Franzosen viel näher steht als ihr eigener Präsident.

„Arbeit“, „Reichtum“, „Internationaler Einfluss“ und „Modernität“ sind Begriffe, die die Franzosen ihren Nachbarn ebenfalls zuschreiben. Sich selbst ordnen sie zu „Lebensqualität“, „Solidarität“, „Geselligkeit“ und das „Kulturelle und historische Erbe“.

Im Januar 2013 feiert der Elysée-Vertrag 50. Geburtstag

Was sich wie ein roter Faden durch die Umfrage zieht: Ältere und gebildete Franzosen, die konservativ wählen, fühlen sich stärker zu Deutschland hingezogen als jüngere Franzosen, deren Herz für die Linke schlägt.

Als die Botschaft die Studie in Auftrag gab, hatte sie auch den 50. Jahrestag des Elysée-Vertrages im Januar 2013 im Auge, mit dem beide Länder 1963 ihre Freundschaft besiegelten.

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