Augenzeugen schildern die spektakuläre Landung des Fluges 1549 in den eiskalten Fluten des Hudson River.

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Diese drei Frauen haben es auf die Notrutsche geschafft. Sie werden von einem Froschmann geborgen.

Diese drei Frauen haben es auf die Notrutsche geschafft. Sie werden von einem Froschmann geborgen.

Reuters

Diese drei Frauen haben es auf die Notrutsche geschafft. Sie werden von einem Froschmann geborgen.

New York. Es war die perfekte Landung: Nur setzte Kapitän Chesley Sullenberger (57) den voll besetzten Airbus A320 nicht planmäßig auf einer Landebahn im Süden ab, sondern auf der glitzernden Oberfläche des New Yorker Hudson River.

Was sich in den wenigen Minuten nach dem Start des Fluges mit der Nummer 1549 auf dem LaGuardia Flughafen und der spektakulären Notwasserung vor Manhattans Wolkenkratzerkulisse an Bord abspielte, beschrieb die Passagierin Elizabeth McHugh als "Big Bang" ("Urknall"). Bill Zuhowski, der sich gerade auf seinem Sitz in Reihe 23 ausgestreckt hatte, sah Flammen aus dem linken Triebwerk kommen. Andere Reisende bemerkten den Geruch von Rauch. "Dann wurde es totenstill", sagte Fred Baretta später dem Nachrichtensender CNN.

John Howell, ein Passagier auf dem Heimweg zum Zielflughafen Charlotte (US-Bundesstaat North Carolina), klärte seine Sitznachbarn auf: "Wir sind mit einer Schar großer Vögel zusammengestoßen." Bald darauf ertönte die ruhige Stimme des Kapitäns. Sullenberger bat seine 150 Fluggäste, sich auf einen harten Aufprall einzustellen. Zuhowski ging, wie er sich nach der Rettung auf festem Boden erinnerte, nur eines durch den Kopf: "Wie bereitet man sich auf den Absturz seines Flugzeugs vor?"

Passagier Jeff Kolodjay krallte
sich fest und betete ein Ave Maria

Jeff Kolodjay krallte sich an seinem Sitz fest, erzählte er der Zeitung "Newsday" und betete ein Ave Maria. Dann sei die Maschine auf dem Hudson aufgeschlagen, "doch sanfter als von allen befürchtet", erinnerte sich Joe Hart. "Der Pilot landete das Ding, und ich sag dir eines: Der Aufprall war kaum stärker als ein Auffahrunfall. Er hat dich nur gegen den Vordersitz geworfen." Sofort seien die Türen geöffnet worden, wodurch umgehend Wasser in die Maschine gelaufen sei.

In der Kabine des Jets ging es zunächst etwas hektisch zu. "Eine Frau mit einem Baby an der Schulter hat versucht, über die Sitze zum Ausgang zu klettern", so Kolodjay. "Da haben wir einfach gerufen: Frauen und Kinder zuerst." Anschließend habe sich der Drängen zu den Ausgängen normalisiert. Die Passagiere retteten sich auf die Tragflächen, andere in das Rettungsfloß der Maschine. "Irgendwie hielt sich das Flugzeug über Wasser", sagte ein Passagier CNN.

Augenzeugen trauten ihren Augen kaum, als sie die US-Airways-Maschine lautlos vom Himmel gleiten und nach einer glimpflichen Landung langsam in den Fluten versinken sahen. "Ich sah, wie das Flugzeug näher kam und dass es zu niedrig flog", so die New Yorkerin Rachel Hudson dem Sender CNBC, "es kam herunter, als ob es landen wollte."

In Windeseile waren Rettungsboote und Fähren an der Unglücksstelle, mehrere Freizeitkapitäne boten an, Überlebende an Bord zu nehmen. "Wir hielten sie fest, umarmten sie, trösteten sie, hielten ihre Hände und wärmten sie mit unseren Körpern", schilderte der Fährpassagier David Watta gegenüber der "New York Times". Dank des besonnenen Einsatzes der Crew und der beherzten Helfer war das Wrack in etwa fünf Minuten geräumt, und alle 150 Passagiere wurden vor dem Tod durch Erfrieren oder Ertrinken bewahrt.

Etliche Menschen kletterten in Panik auf die Tragflächen und warteten dort auf ihre Rettung, andere rutschten ins Wasser und mussten später wegen Unterkühlung im Krankenhaus behandelt werden. Die meisten Passagiere gelangten aber rechtzeitig in Rettungsboote. "Es ist einfach unglaublich, dass alle noch leben", sagte ein Geretteter, "wir begreifen noch gar nicht, dass wir dem Tod so nah waren." Alberto Pinero aber war sofort klar: "Es war eine Begegnung mit dem Tod. Glücklicherweise ging sie gut aus."

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