Teheran startet seinen ersten Reaktor in Buschehr. Die Staatengemeinschaft fürchtet eine militärische Nutzung.

Teheran. Der Iran hat am Samstag offiziell sein erstes Atomkraftwerk eröffnet. Die von Russland gebaute Anlage soll zwar erst in sechs Monaten Atomstrom liefern. Viele in der internationalen Staatengemeinschaft fragen sich aber, warum Teheran den Reaktor gerade jetzt einweiht und fürchten weiter eine militärische Nutzung.

Warum fällt Buschehr nicht unter die Sanktionen des UN-Sicherheitsrates?

Buschehr ist ein Leichtwasserreaktor und birgt damit weniger Gefahr, dass er für ein Atomwaffenprogramm genutzt wird als andere Arten von Reaktoren. Außerdem unterliegt Buschehr schon seit Beginn der Bauarbeiten regelmäßigen Kontrollen durch die Internationale Atomenergiebehörde IAEA.

Wie groß ist das Risiko, dass das AKW für andere Zwecke genutzt wird?

Dieses Risiko ist nach Auffassung von Experten sehr gering. Theoretisch müsste Teheran Nuklearbrennstoff aus dem Reaktor entnehmen und weiter anreichern, um eine Bombe zu bauen. Da der Brennstoff aber von Inspekteuren der IAEA überwacht wird, würde das sofort auffallen.

Nuklearexperte Andreas Persbo vom Londoner Forschungszentrum Vertic sagt: "Für den Iran wäre das mit einem großen Risiko verbunden: Es müsste eine massive Menge Brennstoff entwendet werden, und das würde nicht unbemerkt geschehen."

Könnte der Iran aus abgebranntem Brennstoff Plutonium gewinnen?

"Dieses Material wäre nicht optimal, um es für Waffen zu verwenden", sagt Persbo. Denn die chemische Zusammensetzung des Brennstoffs macht es schwierig, daraus Plutonium zu gewinnen. Es ist zwar möglich, den Buschehr-Reaktor zu benutzen, um Brennstoff für eine Bombe zu produzieren - aber nicht, wenn gleichzeitig Energie gewonnen wird.

Für weitere Unruhe in der Krisenregion sorgt der Test neuer Militärtechnik durch Teheran. Im Beisein von Präsident Mahmud Ahmadinedschad sei die erste vom Iran gebaute Langstrecken-Kampfdrohne mit einer Reichweite von bis zu 1.000 Kilometern präsentiert worden, meldete die Agentur Fars gestern.

Der vier Meter lange, unbemannte Flugkörper namens Karar (Angreifer) kann demnach mit einer "größeren Menge Sprengstoff" sein Ziel ansteuern. "Diese Drohne kann ein Botschafter des Todes für die Feinde der Menschheit sein. Zugleich kann sie aber auch ein Bote der Rettung, des Friedens und der Freundschaft sein", sagte Präsident Ahmadinedschad .

Eine Wiederaufbereitungsanlage für abgebranntes Material gibt es außerdem im Iran bisher nicht. Zudem gibt es in den Verträgen mit Russland eine Klausel, die besagt, dass die gebrauchten Brennstäbe nach Russland zurückgebracht werden.

Der Iran sagt, er plane weitere Reaktoren und müsse dafür bereits heute Uran anreichern. Ist das wahr?

Nein. Zwar betont der Iran, schon bald mindestens zehn weitere Reaktoren bauen zu wollen, "aber das Land hat keine Erfahrung damit, solche Kraftwerke von Grund auf zu bauen", erklärt Persbo. Solange die Reaktoren nicht gebaut sind, ist nicht klar, welche Art von Brennstoff für ihren Betrieb gebraucht wird. Persbo schätzt, dass es mindestens 15Jahre dauern wird, bis der nächste Reaktor im Iran fertiggestellt ist.

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