Der 42-jährige Christian Ganczarski soll beim Attentat 2002 einer der wichtigsten Hintermänner gewesen sein.

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Ein verletztes deutsches Kind wird nach dem Anschlag im April 2002 ins Krankenhaus gebracht. (Archiv

Ein verletztes deutsches Kind wird nach dem Anschlag im April 2002 ins Krankenhaus gebracht. (Archiv

dpa

Ein verletztes deutsches Kind wird nach dem Anschlag im April 2002 ins Krankenhaus gebracht. (Archiv

Paris. "Ich habe nichts mit diesen Attentaten zu tun. Wenn unschuldige Menschen sterben, trifft mich das tief." Christian Ganczarski hat sich diese Eröffnungssätze in der mehr als fünfjährigen Untersuchungshaft zurechtgelegt. Sie sollen das Bild des islamischen Fanatikers Lügen strafen, das die Anklage in den meterhohen Ermittlungsakten von dem 42-jährigen Deutschen zeichnet. Staatsanwaltschaft und Opfer-Anwältin Judith Adam-Cumeil halten den Mann für einen der wichtigsten Hintermänner des mörderischen Attentats von Djerba im April 2002.

Duisburger will jeden Anschein eines religiösen Fanatikers vermeiden

Unmittelbar vor seiner Kamikaze-Aktion, die 21 Menschen, darunter 14 deutsche Touristen, das Leben kosten sollte, hatte der tunesische Attentäter Nizar Naouar über sein Satelliten-Telefon mit Ganczarski, dessen Anschluss in Deutschland abgehört wurde, telefoniert. Dabei soll Ganczarski Nizar den Einsatzbefehl im Auftrag von El Kaida gegeben haben.

Die Terrororganisation bekannte sich später zu dem Blutbad. Weil er dem Selbstmordattentäter das Telefon besorgte, sitzt neben Ganczarski auch Nizars Bruder in dem schusssicheren Glaskasten. Der dritte Angeklagte fehlt. Dem Kuweiti Khalid Cheikh Mohammed wird auf Kuba in Guantánamo wegen seiner Verwicklung in die Anschläge vom 11.September 2001 der Prozess gemacht.

An diesem ersten Prozesstag im Pariser Justizpalast vermeidet Ganczarski jeden Anschein eines religiösen Fanatikers. Statt im arabischen Burnus, den der islamische Konvertit einer Spätaussiedlerfamilie aus Polen früher sogar an seinem Duisburger Wohnort trug, erscheint er im brauen Jackett. Der üppige Vollbart ist ein Stück weit auf europäisches Normalmaß gestutzt. Beflissen antwortet er auf die Fragen des Gerichts, gibt als letzten Wohnort vor seiner Verhaftung eine Wuppertaler Adresse an.

Die Pariser Polizei hatte den Deutschen festgesetzt, als sein Flugzeug aus dem saudi-arabischen Asyl einen Zwischenstopp am Pariser Flughafen Charles de Gaulle einlegte. Die Saudis hatten ihn - nach einer Anschlagsserie in Riad - im Juni 2003 aus dem Land geworfen, wohin er sich samt Familie ein halbes Jahr zuvor abgesetzt hatte.

Keinen Hehl macht Ganczarski daraus, dass er sich zu Unrecht vor Gericht gestellt sieht. "Es geht nicht um Wahrheitsfindung, sondern um eine Hinrichtung", behauptet er in seinem rheinischen Tonfall. Sein Anwalt Sebastien Bono stößt ins gleiche Horn. Dass Frankreichs damaliger Innenminister und heutige Präsident Nikolas Sarkozy Ganczarski vor dem Parlament als hochrangiges El-Kaida-Mitglied einstufte, kommt für Bono einer Vorverurteilung gleich.

Mit unbewegten Mienen hören sich die Richter diese Tiraden an. Adam-Cumeil, die die Familien der deutschen Opfer vertritt, hält die Einlassungen des Angeklagten nur für Schutzbehauptungen. "Wir haben gute Beweise und jede Menge Zeugenaussagen", die belegen könnten, dass Ganczarski einer der "Leitenden von El Kaida" gewesen sei, sagt sie. "Seiner Verantwortung wird er sich nicht entziehen können."

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