Der Wissenschaftsrat fordert in einer Empfehlung, das Fach islamische Theologie an den Hochschulen auszubauen.

Bislang kommt der Großteil der muslimischen Geistlichen an deutschen Moscheen aus der Türkei.
Bislang kommt der Großteil der muslimischen Geistlichen an deutschen Moscheen aus der Türkei.

Bislang kommt der Großteil der muslimischen Geistlichen an deutschen Moscheen aus der Türkei.

dpa

Bislang kommt der Großteil der muslimischen Geistlichen an deutschen Moscheen aus der Türkei.

Berlin. Angesichts von vier Millionen Muslimen in der Bundesrepublik fordert der Wissenschaftsrat den Aufbau islamischer Theologie auch an deutschen Universitäten. Damit soll die "fundierte Ausbildung" von islamischen Religionslehrern, Imamen und Nachwuchswissenschaftlern sichergestellt werden, ähnlich wie in den evangelischen und katholischen Theologie-Fakultäten.

Die Stellungnahme, über die eine Expertengruppe des Wissenschaftsrats in Zusammenarbeit mit den Kirchen und dem Koordinationsrat der Muslime in Deutschland zwei Jahre lang beriet, soll heute in Berlin offiziell präsentiert werden. Ausdrücklich fordert der Wissenschaftsrat darin, Islamstudien, Forschung und Ausbildung an staatlichen Hochschulen vorzunehmen - und nicht privaten Einrichtungen zu überlassen.

Zunächst sollen an zwei bis drei Hochschulen Zentren für islamisch-theologische Forschung aufgebaut werden. Für die Zusammenarbeit zwischen Staat und muslimischer Glaubensgemeinschaft schlägt der Wissenschaftsrat an den Hochschulen die Einrichtung "theologisch kompetenter Beiräte für Islamische Studien" vor. Die Ausgestaltung dieser Beiräte war im Wissenschaftsrat aber bis zuletzt umstritten.

Die Türkische Gemeinde begrüßt den Vorstoß als Integrationssignal

Die Türkische Gemeinde in Deutschland sieht in der Empfehlung des Wissenschaftsrats ein Integrationssignal. Es sei wichtig, dass solche Zentren für islamisch-theologische Forschung unabhängig arbeiten, sagte ihr Vorsitzender Kenan Kolat. Mit der Ausbildung von Islamlehrern an deutschen Universitäten werde eine Forderung seiner Organisation erfüllt.

Der Sprecher des Koordinierungsrates der Muslime, Bekir Alboga, unterstrich, die muslimischen Verbände müssten aber "zumindest für den Anfang" genauso über die Inhalte der Studiengänge und die Berufung von Professoren mitentscheiden können wie die christlichen Kirchen.

Bislang wird an den deutschen Hochschulen nur ein sehr geringer Teil der islamischen Religionslehrer ausgebildet - vor allem an der Universität Münster. Weiterbildungsangebote an Hochschulen gibt es in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Der überwiegende Teil der an den Schulen eingesetzten islamischen Religionslehrer wie auch der Imame in den Gemeinden kommt bisher aus der Türkei. dpa

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