Der deutsche Vier-Sterne-General Ramms widersetzt sich seinem amerikanischen Vorgesetzten – und lässt einen Streit eskalieren.

General Egon Ramms widersetzte sich seinem Vorgesetzten. (Archiv
General Egon Ramms widersetzte sich seinem Vorgesetzten. (Archiv

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dpa

General Egon Ramms widersetzte sich seinem Vorgesetzten. (Archiv

Brüssel. Der Schlagabtausch zwischen dem deutschen Vier-Sterne-General Egon Ramms und seinem amerikanischen Vorgesetzten, Nato-Oberbefehlshaber General John Craddock, eskaliert. Ramms, als Chef des Nato-Streitkräfteführungskommandos in Brunssum verantwortlich für die Internationale Schutztruppe Isaf, hat sich einem Craddock-Befehl widersetzt.

Dessen Weisung sah vor, dass Isaf-Soldaten im Kampf gegen die afghanische Heroin-Mafia den Tod von Drogenhändlern und -produzenten in Kauf nehmen dürfen - selbst wenn unklar ist, ob diese Taliban unterstützen.

Zwar versucht man in Mons, dem Sitz des militärischen Nato-Hauptquartiers, den pikanten Vorfall herunterzuspielen. In einer knappen Formulierung des Pressestabes heißt es lediglich: "Niemand hat irgend jemanden gebeten oder angewiesen, etwas Illegales zu tun." Doch damit ist der auf höchster Ebene ausgetragene Zoff nicht aus der Welt.

Die geheime Weisung des Nato-Oberbefehlshabers an Ramms und den Isaf-Kommandeur in Afghanistan, US-General David McKiernan, ist nach Informationen unserer Zeitung datiert vom 5. Januar. Darin heißt es, es sei "nicht länger nötig, Geheimdienst-Aufklärung zu betreiben oder zusätzliche Beweise zu erbringen, ob jeder der Drogenhändler oder jede Drogeneinrichtung in Afghanistan auch die Kriterien eines militärischen Zieles erfüllt".

Darf jeder Afghane, der mit Drogen handelt, getötet werden?

Craddock beruft sich auf den Beschluss der Nato-Verteidigungsminister in Budapest vom vergangenen Oktober. Darin waren sich die 27 Ressortchefs zwar einig, dass ein enger Zusammenhang zwischen Drogenhandel und den Aktivitäten von Taliban und Aufständischen besteht. Gleichzeitig aber überließen sie den einzelnen Mitgliedsstaaten die Entscheidung, wie entschlossen ihre Isaf-Soldaten gegen die Drogenmafia vorgehen dürfen.

Craddock hingegen geht in seinem Brief wohl von der Annahme aus, dass prinzipiell jeder Afghane, der mit Drogen handelt, ein legitimes militärisches Ziel darstellt. Und deshalb verlangt er, gegen "alle Drogenhändler und deren Einrichtungen" rigoros militärisch vorzugehen.

Nach Ansicht des deutschen Vier-Sterne-Generals schießt die Craddock-Weisung hingegen weit über die Budapester Ziele hinaus. Folglich legte Ramms einen überarbeiteten Operationsplan vor, der sich streng an den politischen Vorgaben der Verteidigungsminister orientiert.

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