Wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, bietet die künstliche Befruchtung oft die letzte Chance.

Ein Gentechniker injiziert in einem Speziallabor männliches Erbgut in eine Eizelle.
Ein Gentechniker injiziert in einem Speziallabor männliches Erbgut in eine Eizelle.

Ein Gentechniker injiziert in einem Speziallabor männliches Erbgut in eine Eizelle.

dpa

Ein Gentechniker injiziert in einem Speziallabor männliches Erbgut in eine Eizelle.

Berlin. Kinderlosigkeit trotz Babywunschs ist in Deutschland ein Massenphänomen. Das Alter der Paare mit Kinderwunsch steigt im Schnitt, die Fruchtbarkeit sinkt. Gegen das Ausbleiben des ersehnten Nachwuchses hilft jährlich Zehntausenden eine künstliche Befruchtung. Doch hohe Kosten schrecken fast ebensoviele Betroffene ab. Jetzt macht sich auch Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) für mehr Unterstützung stark.

Sachsen zahlt als erstes Land ab März Zuschüsse, angestoßen davon prüfen Nordrhein-Westfalen und Hessen ähnliche Schritte. Künstliche Befruchtungen erlebten bis zur finanziellen Deckelung durch die Krankenkassen 2004 einen Boom. Seither gibt es nur noch rund 40 000 im Jahr - etwa die Hälfte im Vergleich zu vorher. Schwankenden Schätzungen zufolge werden seither jährlich einige tausend bis 15000 Wunschkinder weniger geboren.

Ein Baby-Boom aus dem Labor scheint wenig wünschenswert

Die Behandlungen kosten für Betroffene insgesamt oft mehrere tausend Euro. Neben den Ländern, die die Angelegenheit nun prüfen, rufen andere nach einer Rückkehr der Erstattung oder nach einer Förderung durch den Bund. Während das Bundesgesundheitsministerium - zuständig für die Krankenkassen - abwinkt, zeigt sich von der Leyen gesprächsbereit. "Die Sehnsucht nach einem eigenen Kind ist viel zu ernst für politisches Zuständigkeitsgerangel", sagt sie. "Keiner sollte von vornherein seine Tür zuschlagen." Kinderwunsch betreffe dabei natürlich auch die Familienpolitik.

"Künstliche Befruchtung kann nicht jedes Schicksal wenden", sagt von der Leyen aber auch. Ein Baby-Boom allein durch die Eingriffe erscheint aus Expertensicht auch wenig wünschenswert. Medizin sollte schließlich nicht zur Bewältigung der für viele immer schwierigeren Terminplanung da sein. Bei immer mehr Paaren dauert es schlicht zu viele Jahre bis zur Familiengründung.

Baden-Württembergs Sozialministerin Monika Stolz (CDU) will in ihrem Land keine Zuschüsse zu solchen Behandlungen zahlen: "Aufgabe der Politik ist es, die Voraussetzungen zu schaffen, dass sich Frauen und Männer für Kinder entscheiden und die Lebensbedingungen für Familien und Kinder zu verbessern."

Die künstliche Befruchtung wird nur angewandt, wenn eine natürliche Fortpflanzung nicht möglich ist. In jedem Fall müssen die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden, die im Embryonenschutzgesetz (ESchG) festgelegt sind. Ergänzende Richtlinien der Bundesärztekammer und Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen sind ebenfalls zu befolgen.

Die rechtlichen Bedingungen sind in Deutschland besonders streng und schließen Maßnahmen aus, die in anderen europäischen Ländern erlaubt sind. Dazu gehört die genetische Untersuchung von künstlich erzeugten Embryonen vor der Rückführung in den Mutterleib (Präimplantationsdiagnostik). Das implantieren von mehr als drei Embryonen oder das Einfrieren oder Weiterkultivieren von bereits geteilten Embryonen (=Zweizellern) ist in Deutschland ebenfalls verboten.

Die Richtlinien der Bundesärztekammer sieht vor, dass Paare für eine Behandlung verheiratet sein müssen, obwohl dies keine zwingende Vorschrift des ESchG ist. Das Klonen, die Auswahl nach Geschlecht oder eine Veränderung der Erbinformationen sind verboten und unter Strafe gestellt.

Im Jahr 2003 wurden in Deutschland rund 105000 künstliche Befruchtungen vorgenommen. Die Zahl halbierte sich dann nahezu auf rund 40000, nachdem die Bundesregierung die Kostenübernahme für eine künstliche Befruchtung 2004 auf 50 Prozent gesenkt hatte.

Die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, ist bei den verschiedenen Verfahren unterschiedlich hoch. Bei der Hormonbehandlung liegt der Wert für die Geburtenrate bei fünf bis zehn Prozent, bei der In-vitro-Fertilisation bei zwölf bis 20 Prozent.

Doch auch Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe hat gegen die Förderung künstlicher Befruchtung nichts einzuwenden, ja er fordert sie sogar. Nur den statistischen Bevölkerungsschwund solle man dabei nicht als erstes im Blick haben, mahnt er. "Die bevölkerungspolitische Position hat auch einen Hautgout (schlechten Beigeschmack)." Gut sei es dagegen, wenn eine tiefe Sehnsucht von Menschen, die kein Kind bekommen, gestillt werden kann, sofern damit keine größeren Risiken verbunden sind.

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