Walter ist weg. Der SPD-Kanzlerkandidat hat etwas verloren. Seinen zweiten Vornamen. Zwar heißt seine Internetseite immer noch www.frank-walter-steinmeier.de. Doch in den Nachrichten, die der Außenminister dort über sein Tun verbreiten lässt, wird er seit einiger Zeit nur noch "Frank Steinmeier" genannt. "Das Fenster der Geschichte ist geöffnet" - sagt Frank Steinmeier. Frank Steinmeier war es, der Hillary Clinton die Hand schüttelte. Auch SPD-Parteichef Franz Müntefering spricht von "unserem Kanzlerkandidaten Frank Steinmeier".

Was steckt dahinter? Schließlich gibt auch die Langversion des Namens - weder isoliert noch in Kombination mit dem doch eher unauffälligen Nachnamen - Anlass zu irgendwelchem Spott. Bei Namen wie Mario Nette oder Axel Schweiß ließe sich über ein diskretes Verschwinden-Lassen des Vornamens diskutieren. Aber Frank-Walter Steinmeier - das ist doch okay.

Der Betroffene selbst sagt: "Alle Freunde, die mich von früher her kennen, rufen mich sowieso nur Frank." Mag aber auch sein, dass die Parteifreunde dahinter stecken, die die kurze Form im anstehenden Wahlkampf für griffiger halten. Ach hätten die Genossen doch nur in den Duden geschaut. Dann hätten sie den ersten Vornamen unterdrückt. "Frank" - das Wort ist zwar mit "frei und offen" positiv besetzt. Aber es erinnert doch auch an die als Eroberer bekannten Franken. Das passt schon heute nicht zu Steinmeiers Funktion als friedfertiger erster Diplomat unseres Landes. Walter hingegen leitet sich aus dem althochdeutschen "waltan"ab- was walten oder herrschen bedeutet. Was würde besser passen auf einen, der doch ein ganzes Land regieren möchte?

Walter Steinmeier - ja, das wär’s doch gewesen. Damit könnte die SPD an den alten Erfolgsslogan der Ära Brandt ("Willy wählen") anknüpfen. Aber so ist sie gedankenlos vertan - die Chance auf das Wahlplakat "Walter wählen".

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