Die Beamten sind bis zu 24 Stunden im Dauereinsatz – dagegen läuft die Gewerkschaft Sturm.

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Dauereinsatz bis an die Grenzen der körperlichen und psychischen Erschöpfung: Polizisten tragen Demonstranten von den Gleisen.

Dauereinsatz bis an die Grenzen der körperlichen und psychischen Erschöpfung: Polizisten tragen Demonstranten von den Gleisen.

dpa

Dauereinsatz bis an die Grenzen der körperlichen und psychischen Erschöpfung: Polizisten tragen Demonstranten von den Gleisen.

Gorleben. Der Polizist am Verladebahnhof Dannenberg ist ahnungslos. "Ich weiß nicht, was hier abgeht, wir erfahren es doch eh immer als letzte." Seit fünf Stunden parkt der Castor knapp 30 Kilometer entfernt auf freier Fläche bei Dahlenburg. Die Polizei braucht schließlich sechs Stunden, um tausende Blockierer bis Montagmorgen aus dem Gleisbett zu räumen.

Zwölfter Castor-Transport verläuft chaotisch

Polizisten sprechen von abgeschnittenen Nachschublinien, Traktor-Blockaden meuternder Wendländer hätten zudem den Austausch von Einheiten verhindert. Hunderte Beamte sind am Ende der Kräfte - dabei teilen viele das Anliegen der Atom-Gegner. Die Kälte, das Leute-Wegtragen, die Leuchtraketen - das alles sorgt für eine extreme psychische Belastung.

Wie chaotisch dieser zwölfte Castor-Transport nach Gorleben zum Teil verläuft, zeigt sich am eigentlich hoch gesicherten Verladebahnhof Dannenberg, wo die hoch radioaktive Fracht am Montag dann nach rund zwölf Stunden Stillstand doch noch einläuft, um stundenlang für die letzte Stra-ßenetappe ins Zwischenlager Gorleben vorbereitet zu werden. Rund zehn Aktivisten gelingt es beinahe, zum Castor-Zug vorzudringen, bevor sie abgefangen werden können.

Nicht einmal eine heiße Suppe für die Einsatzkräfte

Der Gewerkschaft der Polizei (GdP) platzt der Kragen. Bis zu 24 Stunden hätten Kollegen draußen in der Kälte mit knurrendem Magen gestanden, heißt es. Noch nicht einmal eine heiße Suppe oder einen Tee habe es für viele der im weitläufigen Wendland eingesetzten Kollegen gegeben, moniert der niedersächsische GdP-Vize Dietmar Schilff. Es sei oft nicht einmal bekanntgewesen, wo Polizisten mit Essen versorgt werden mussten.

 

Kommentar 

Von Martin Vogler

Die Aktivitäten der Atom-Gegner sind Spielarten des zivilen Ungehorsams und damit eine Gratwanderung zwischen legalen und illegalen Mitteln. So haben Sitzblockaden für die Demonstrierenden selten strafrechtlichen Konsequenzen, obwohl formaljuristisch der Tatbestand der Nötigung vorliegt.

Eindeutig kriminell hingegen ist das "Schottern", bei dem Demonstranten den Castor-Zügen den Schotter entziehen. Gerichte werten dies als Eingriff in die Sicherheit des Bahnverkehrs.

Ganz Deutschland blickte auch am Montag aufs abgelegene Wendland, als der Castor-Transport weitere Verspätungs-Stunden sammelte. Eine eigentlich als überholt eingeschätzte Protest-Kultur mit Streckenblockaden, Wegtragen-Lassen und leider auch sehr viel Gewalt scheint erstarkt. Die Ängste der Protestierenden sind allerdings verständlich. Die meisten sind aus echter Sorge angereist, weil sie keine befriedigende Antwort auf das Endlager-Thema erhalten. Andererseits sollten eigentlich auch sie einsehen, dass zumindest bis zum Jahr 2020 weder alternative Energien noch Kohlekraftwerke mit ihrer schlechten Klimabilanz die Atomkraft komplett ersetzen können.

In den nächsten Tagen wird das eigentliche Thema in den Hintergrund treten. Stattdessen werden uns zwei Fragen beschäftigen: Wie kann in ähnlichen Fällen die extreme Belastung der Polizisten verhindert werden? Und wer zahlt die Millionen für Transport und Sicherheit?

martin.vogler@wz-plus.de

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