Der Präsident wird wohl nicht beerdigt, bis alle Opfer des Flugzeugabsturzes identifiziert sind.

wza_1500x1091_658798.jpeg
Zwei Tage nach dem Unglück wurde der Sarg des Präsidenten in der Kapelle des Präsidentenpalasts aufgebahrt.

Zwei Tage nach dem Unglück wurde der Sarg des Präsidenten in der Kapelle des Präsidentenpalasts aufgebahrt.

dpa

Zwei Tage nach dem Unglück wurde der Sarg des Präsidenten in der Kapelle des Präsidentenpalasts aufgebahrt.

Warschau. Polen verharrt in tiefer Trauer. Nach dem Tod von Präsident Lech Kaczynski beim Flugzeugabsturz von Smolensk kommt das Leben des Landes nur schwer wieder in Gang. Tausende legten auch am Montag Blumen nieder, zündeten Kerzen an und gedachten in den Kirchen der 96 Toten der Katastrophe. Vor den überall ausliegenden Kondolenzbüchern bildeten sich lange Schlangen. Unterdessen mehrten sich die Spekulationen über die Ursache des Absturzes.

Die russische Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des Absturzes ein. Die Behörden werfen dem Piloten vor, sich gegen den dringenden Rat der Fluglotsen für eine Landung entschieden zu haben. Zum Zeitpunkt der Katastrophe herrschte Nebel, die Sichtweite lag nach russischen Angaben bei nur 400 Metern. Die Maschine vom Typ Tupolew TU-154 sei in einwandfreiem Zustand gewesen.

Es gab auch Spekulationen darüber, ob Kaczynski möglicherweise selbst die Landung im Nebel von Smolensk angeordnet hat, den Piloten sogar gedrängt haben könnte. Polnische Ermittler bezweifeln diese Version. Dafür gebe es derzeit keine Hinweise, sagte der polnische Generalstaatsanwalt, Andrzej Seremet.

Frau des Präsidenten identifiziert - viele andere Opfer noch nicht

Nach Angaben der Präsidialkanzlei in Warschau wurde mittlerweile die Leiche der Ehefrau des polnischen Präsidenten, Maria, identifiziert. Dagegen stand die Identifikation vieler anderer Toten noch aus. Wegen der schrecklichen Verstümmelung der Leichname sind DNA-Analysen erforderlich. Der Termin für die Beisetzung des Präsidentenpaares war weiter offen.

Nach Angaben der Präsidialkanzlei sollten Kaczynski und seine Frau erst beerdigt werden, wenn alle Opfer wieder in ihre Heimat übergeführt worden sind. Offen war auch, wann genau der Leichnam Kaczynskis für die Öffentlichkeit aufgebahrt werden sollte. Der Staatsakt für alle Opfer der Katastrophe könnte nach Informationen aus Warschau am kommenden Samstag stattfinden. An der Trauerfeier werden auch Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen.

Nach dem Flugzeugabsturz, bei dem mehrere Mitglieder der polnischen Staatsführung ums Leben kamen, stellt sich die Frage, ob eine solche Tragödie auch in Deutschland möglich gewesen wäre. Nach Angaben eines Regierungssprecher gebe es "keinerlei Vorschrift jenseits des gesunden Menschenverstandes", die verhindert, dass bei einem einzigen Unglück mehrere Spitzenpolitiker ums Leben kommen.

Bei einem Unglück wäre die Vertretung in der Geschäftsordnung genau geregelt. Für den Kanzler übernimmt der Vizekanzler kommissarisch die Amtsgeschäfte. Fällt er aus, springt der dienstälteste Minister ein. Im Moment wäre das Wolfgang Schäuble (CDU). Verstorbene Minister werden grundsätzlich durch ihre parlamentarischen Staatssekretäre vertreten. Kommissarischer Vertreter des Bundespräsidenten ist der Präsident des Bundesrates.

Auch das politische Leben in Polen steht still: Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski, der bis zur Neuwahl im Juni die Aufgaben des Staatsoberhauptes übernommen hat, traf lediglich unumgängliche Entscheidungen. So ernannte er den General Stanislaw Koziej zum neuen Chef des Amtes für Nationale Sicherheit. Mit der Leitung der Präsidialkanzlei betraute er Jacek Michalowski. Am Dienstag sollen beide Kammern des Parlaments, Sejm und Senat, zu einer Trauersitzung zusammentreten.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer