Thüringens neue Regierungschefin muss mit Abtrünnigen in den eigenen Reihen kämpfen.

wza_400x275_579594.jpg
Die neue thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU).

Die neue thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU).

dpa

Die neue thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU).

Erfurt. Dem Schicksal einer Heide Simonis (SPD) entgeht sie nur knapp. Zwei demütigende Niederlagen musste Christine Lieberknecht bei der Wahl zur Thüringer Ministerpräsidentin über sich ergehen lassen. Erst im dritten Wahlgang hatten die Abtrünnigen in der CDU/SPD-Koalition ein Einsehen und stellten sich geschlossen hinter sie. Die Opposition sprach von einem Fehlstart.

Am Freitagmorgen wurden in Erfurt Erinnerungen an den März 2005 wach, als Heide Simonis in Kiel in vier Wahlgängen keine Mehrheit für ihre Wahl zur schleswig-holsteinischen Ministerpräsidentin bekam. Ein bis heute unbekannter Abgeordneter aus den eigenen Reihen verweigerte Simonis damals die Zustimmung.

CDU machte in den Verhandlungen mit der SPD viele Zugeständnisse

Lieberknecht war es offenbar klar, dass ihr kleiner Putsch gegen ihren Vorgänger Dieter Althaus nicht ungestraft bleiben würde. Immerhin sind unter den 30CDU-Abgeordneten etliche seiner Getreuen. Auf den Fluren des Landtags waren sich alle Beobachter, darunter auch CDU-Mitglieder, schnell einig, dass die Abtrünnigen unter den Christdemokraten zu suchen sind.

Die CDU um den nach seinem schweren Skiunfall angeschlagenen Althaus hatte bei der Landtagswahl am 30.August nach zehn Jahren ihre absolute Mehrheit verloren. In den folgenden Koalitionsverhandlungen mit der SPD musste sie etliche liebgewonnene Positionen aufgeben. Dadurch ist Unmut entstanden, weiß Lieberknecht. "Das ist auch in der Wahlkabine deutlich geworden", sagte sie. Nicht zuletzt könnte auch eine Rolle gespielt haben, dass die bislang katholisch geprägte Partei jetzt von einer protestantischen Pfarrerin geführt wird.

Dass es im dritten Wahlgang doch noch ein deutliches Votum wurde, hat Lieberknecht ihrem Konkurrenten Bodo Ramelow von der Linken zu verdanken, der sie zu einer Kampfabstimmung herausfordert. Dadurch schlossen sich die Reihen.

In der Sitzungspause vor der entscheidenden Wahl drückt Ramelow Lieberknecht herzlich die Hand. Fast konnte der Eindruck entstehen, der taktische Schachzug sei abgesprochen. "Frau Lieberknecht hat meinen Respekt", sagte Ramelow anschließend.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer