2010 wurde ein neuer Rekordwert erreicht. Kampf gegen den Klimawandel läuft bisher ins Leere.

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Kohlekraftwerke heizen mit Unmengen Kohlendioxid dem Klima ein.

Kohlekraftwerke heizen mit Unmengen Kohlendioxid dem Klima ein.

dpa

Kohlekraftwerke heizen mit Unmengen Kohlendioxid dem Klima ein.

Washington/Düsseldorf. Der weltweite Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) hat im vergangenen Jahr einen Rekordwert erreicht: Nach einer aktuellen Hochrechnung des US-Energieministeriums gelangten 2010 mehr als 33 500 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre. Das seien knapp sechs Prozent oder gut 1900 Millionen Tonnen mehr als noch 2009. Einen so großen Anstieg hat es nach Aufzeichnungen des Ministeriums niemals zuvor gegeben.

Vor allem in China und Indien steigen die Emissionen rasant

Die Zahlen liegen noch über den pessimistischsten Prognosen des UN-Weltklimarats IPCC von 2007. Beschleuniger des Anstiegs sind vor allem die Schwellenländer China und Indien, die ihren wachsenden Energiehunger noch immer vor allem mit dem Neubau von Kohlekraftwerken stillen. In China geht fast jede Woche ein neues Kraftwerk ans Netz.

Dass das Wachstum 2010 so stark ausfiel, hing vor allem mit der sich erholenden Konjunktur nach der Weltwirtschaftskrise zusammen. „Die Emissionen waren 2009 im Zuge der Krise leicht gesunken“, erklärt Stefan Thomas, Forschungsgruppenleiter am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.

Der nun beschleunigte Anstieg sei vor allem deshalb besorgniserregend, weil die jährliche Zunahme der Emissionen bis 2015 gestoppt werden müsse. „Wenn wir die Trendwende 2015 nicht schaffen, wird es realistisch betrachtet kaum noch möglich sein, das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen.“ Ein globaler Temperaturanstieg um zwei Grad gilt unter den meisten Klimaexperten als gerade noch beherrschbar.

China investiert verstärkt in Solarenergie und Windkraftparks

Immer deutlicher wird, dass die Eindämmung des Klimawandels ohne den weltweit größten CO2-Verursacher China nicht gelingen kann. Es gibt zwar Fortschritte: „China ist mittlerweile beim Einsatz der thermischen Solarenergie führend und spart viel Energie“, sagt Thomas. Doch es reiche nicht, um das hohe Wirtschaftswachstum aufzufangen.

Die beiden größten CO2-Verursacher blockieren sich gegenseitig

Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) oder Lachgas (N2O) tragen zur globalen Erwärmung bei. Vollständig klimatisch wirksam werden sie allerdings erst einige Jahrzehnte nach ihrer Emission.

Die globale Erwärmung wird Auswirkungen auf das Klima und das Wetter haben. Umstritten ist jedoch, welche Folgen wo auftreten werden und wie gravierend sie sind. Die meisten Klimaforscher gehen von einem schnelleren Abschmelzen des Festlandeises aus, was zum Anstieg des Meeresspiegels führen wird. Zudem rechnen viele mit einer Zunahme von Wetterextremen und einer Verschiebung der Klimazonen.

Im Vorfeld der Weltklimakonferenz in Durban (Südafrika) Ende des Monats will sich China zu keinerlei Emissionsbegrenzungen verpflichten. Im Gegenzug sperrt sich auch der zweitgrößte Emittent, die USA, die allerdings den vierfachen Pro-Kopf-Ausstoß im Vergleich zu China haben.

„Die Europäer müssen zusammen mit einigen Schwellenländern bei den Emissionszielen vorangehen“, fordert der Wuppertaler Klimaexperte und Bundestagsabgeordnete Hermann Ott (Grüne). Die internationale Wettbewerbsfähigkeit dieser Vorreiter werde dadurch noch steigen.

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