Es droht wieder Ärger wegen „Charlie Hebdo“. Das Satire-Magazin zeigt das Leben Mohammeds.

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Das „Charlie Hebdo“-Sonderheft über das Leben des Propheten Mohammed umfasst 64 Seiten.

Das „Charlie Hebdo“-Sonderheft über das Leben des Propheten Mohammed umfasst 64 Seiten.

dpa

Das „Charlie Hebdo“-Sonderheft über das Leben des Propheten Mohammed umfasst 64 Seiten.

Paris. Der Prophet als nacktes Kind, Mohammed mit gelber Haut und Haartolle – das französische Satireblatt „Charlie Hebdo“ hat gestern einen Comic über den islamischen Propheten Mohammed veröffentlicht. Damit provoziert das Heft unter dem Titel „Das Leben Mohammeds“ neuen Ärger mit radikalen Islamisten. Schon im September hatte eine „Charlie Hebdo“-Ausgabe mit Mohammed-Karikaturen weltweit zu Protesten geführt. Strenggläubige Muslime empfinden es als anstößig, Mohammed als Person zu zeigen.

Der Herausgeber und Zeichner von „Charlie Hebdo“, Stéphane Charbonnier, hatte die Veröffentlichung zuvor als „völlig halal“ und damit auch für Muslime zulässig bezeichnet. Gleichzeitig räumte der unter dem Namen Charb arbeitende Satiriker ein: „Wenn die Leute schockiert sein wollen, werden sie schockiert sein.“ Es sei aber nichts Schockierendes dabei.

Das Heft schildert das Leben von Mohammed: Die Situation seiner Eltern Abdullah und Amina, seinen Geburtsort Mekka, Mohammed als Neugeborenes, Kind, Heranwachsender, Reisen, heilige Kriege. Das als „erste Ausgabe“ mit Fortsetzungshinweis erschienene Heft endet mit der Begegnung Mohammeds mit dem Erzengel Gabriel. Gestern gab es vom Verlag keine Informationen darüber, ob es tatsächlich Fortsetzungen geben soll.

„Wenn die Leute schockiert sein wollen, werden sie schockiert sein.“

Stéphane Charbonnier, Herausgeber von „Charlie Hebdo“

Das 64 Seiten umfassende Sonderheft liegt für sechs Euro an französischen Kiosken aus. Der Verlag hat 80 000 Exemplare drucken lassen. Damit liegt die Auflage 10 000 Stück oberhalb der regulären Auflage des Hefts.

In einer ersten Reaktion auf das Sonderheft verwies die Sprecherin der französischen Regierung, Najat Vallaud-Belkacem, auf die Meinungsfreiheit. Dem Sender France 2 sagte sie gleichzeitig: „Es ist nicht notwendig, Öl ins Feuer zu gießen.“ Frankreich brauche ein Gleichgewicht zwischen Meinungsfreiheit und dem Respekt für öffentliche Ordnung.

Nach der Veröffentlichung im September mussten französische Einrichtungen in einigen Ländern aus Sicherheitsgründen zeitweise geschlossen werden. Noch vor den Karikaturen hatte im Sommer ein Schmäh-Video über Mohammed zu Protesten von Muslimen gegen die westliche Welt geführt. Bei den wochenlang anhaltenden Unruhen starben etliche Menschen. Bei Protesten nach der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung 2006 starben mehr als 150 Menschen.

 

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