Laut einer Studie war das Außenministerium in die Verbrechen der Nazis verstrickt.

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Thomas Mann (r.) und Ernst von Weizsäcker (l.) - wurden beide für ihre kritische Haltung gegenüber Hitler des Landes verwiesen.

Thomas Mann (r.) und Ernst von Weizsäcker (l.) - wurden beide für ihre kritische Haltung gegenüber Hitler des Landes verwiesen.

dpa

Thomas Mann (r.) und Ernst von Weizsäcker (l.) - wurden beide für ihre kritische Haltung gegenüber Hitler des Landes verwiesen.

Berlin. Aus dem Zweck seiner Reise machte der deutsche Diplomat Franz Rademacher im April 1943 kein Geheimnis mehr. Zurück aus Belgrad füllte der "Juden-Referent" des Auswärtigen Amtes gewissenhaft seine Abrechnung aus. In die Spalte "Art oder Gegenstand der Dienstgeschäfte" schrieb er, von Hand und gut leserlich: "Liquidation von Juden." Selbst der kleinste Buchhalter durfte über seine Tätigkeit Bescheid wissen.

Kommission wurde vom damaligen Außenminister Fischer eingesetzt

Die Abrechnung ist nur eines von vielen Dokumenten, die eine international besetzte Historiker-Kommission zur NS-Geschichte des Auswärtigen Amtes (AA) in fünfjähriger Arbeit zutage gefördert hat. Die Kommission war 2005 noch vom damaligen Außenminister Joschka Fischer (Grüne) eingesetzt worden, nachdem es Streit um die Nachruf-Praxis für gestorbene Diplomaten gegeben hatte.

Aus ihrem fast 900-seitigen Abschlussbericht ergibt sich nun ein ganz anderes Bild als das, das man in Deutschlands vornehmstem Ministerium so gern von sich pflegte: Die Diplomatie war im Dritten Reich kein "Hort des Widerstands", sondern ein fast reibungslos funktionierender Beamtenapparat aus Gleichgültigen, Mitläufern und Tätern. Widerstand gab es auch, aber er war die große Ausnahme.

Historiker: Das Auswärtige Amt war eine "verbrecherische Organisation"

Kommissionsleiter Eckart Conze geht sogar noch weiter. Für den Marburger Geschichts-Professor war die gesamte Behörde eine "verbrecherische Organisation". "Das Auswärtige Amt war an allen Maßnahmen der Verfolgung, Entrechtung, Vertreibung und Vernichtung der Juden von Anfang an aktiv beteiligt." Von den 6.000 Diplomaten hätten "die allermeisten" am Holocaust mitgewirkt. Leute wie den Botschaftsrat Gerhart Feine, der in Ungarn viele Juden vor der Deportation rettete, gab es nur wenige.

Ein Besuch bei Hitler gehörte zur Diplomaten-Ausbildung

Bezeichnenderweise fand sich das einzige Protokoll der Wannsee- Konferenz, auf der 1942 die "Endlösung der Judenfrage" besiegelt wurde, im Archiv des AA. Die Kommission entdeckte auch, dass schon 1938 ein Besuch bei Hitler auf dem Obersalzberg und im KZ Dachau zur Diplomaten-Ausbildung gehörte. Oder dass 1943 von 706 Angehörigen des Höheren Dienstes 573 Mitglied der NSDAP waren.

Auch bei der Ausbürgerung von Hitler-Gegnern spielte das Außenministerium nach Erkenntnissen der Studie eine wichtige Rolle. Der Kommission zufolge kam der entscheidende Anstoß für die Verstoßung des Literatur- Nobelpreisträgers Thomas Mann im Mai 1936 von Ernst von Weizsäcker, dem Vater des späteren Bundespräsidenten. Weizsäcker - damals deutscher Gesandter in der Schweiz, später Staatssekretär - wurde 1949 als einer von wenigen NS-Diplomaten verurteilt.

Trotz brauner Vergangenheit machten viele Mitglieder des Auswärtigen Dienstes nach Kriegsende weiter Karriere. Offenbar wurde in Ministeriumsschriften das eigene Verhalten zur Nazi-Zeit immer wieder beschönigt. Damit aber nicht genug: Die Historiker fanden auch heraus, dass aus der "Zentralen Rechtsschutzstelle" des AA heraus Kriegsverbrecher über internationale Haftbefehle informiert und davor gewarnt wurden, in bestimmte Länder zu reisen.

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