Führte ein Machtkampf zum Stopp der Studie über vertuschten Kindesmissbrauch?

Hannover. Erst vereinbaren alle deutschen Bistümer die Aufklärung von jahrzehntelang vertuschten Missbrauchsfällen, dann platzt die Studie nach Gegenwind aus Teilen der katholischen Kirche. Die Deutsche Bischofskonferenz geht sogar rechtlich gegen den Verfasser der Studie, den Kriminologen Christian Pfeiffer, vor.

Er sei aufgefordert worden, nicht mehr von Zensur in der Kirche zu sprechen, weil dies schlichtweg falsch sei, teilte die Bischofskonferenz mit. Experten vermuten einen Machtkampf zwischen konservativen und reformgesinnten Kräften in der Bischofskonferenz.

Kirchenrechtler Schüller: Der Imageschaden ist gewaltig

„Die Bischöfe sind die Entscheider, ohne sie läuft nichts“, sagt Kirchenrechtler Thomas Schüller. Generell müsse man sagen, dass die Rolle des Vorsitzenden der Bischofskonferenz überschätzt werde.

Beobachtbar sei, dass das Gremium seit Jahrzehnten als Einheit aufgetreten ist, obwohl es immer schon Fraktionen gab. Jetzt, mit dem Antreten einer neuen Generation junger, konservativer Bischöfe gebe es eine deutlichere Fraktionsbildung.

Am ernsthaften Willen der Bischöfe zur Aufklärung habe er keinen Zweifel, so Schüller. Nach Bedenken in einigen Diözesen und der Sorge von Priestern vor einem Generalverdacht hätten einzelne Bischöfe das Projekt aber auflaufen lassen. „Der Imageschaden ist gewaltig.“

Die Deutsche Bischofskonferenz ist das Führungsgremium der katholischen Kirche in Deutschland. Ihr gehören 66 Bischöfe und Weihbischöfe aus 27 Diözesen an. Vorsitzender ist seit 2008 der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch.

Die Bischofskonferenz mit Sekretariat in Bonn koordiniert vor allem die Arbeit der Bistümer und entscheidet über grundlegende Fragen der Seelsorge. Daneben pflegt sie den Kontakt zu den Kirchen in anderen Ländern.

Oberstes Organ ist die viertägige Vollversammlung, die zweimal im Jahr zusammentritt. Mehrmals im Jahr tagt der Ständige Rat der Konferenz, um die Vollversammlung von laufenden Aufgaben zu entlasten. Für alle organisatorischen Fragen ist das Sekretariat in Bonn zuständig.

Der Theologe Klaus Müller vermutet eher einen Machtkampf unter den deutschen Bischöfen. Insbesondere konservative Geistliche hätten Angst vor den Ergebnissen der wissenschaftlichen Untersuchung zum sexuellen Missbrauch, sagt der Wissenschaftler von der Universität Münster.

Dagegen glaubt der Mainzer Theologe Gerhard Kruip, bei der Studie habe es Bedenken von einigen Seiten, wohl aber keinen Streit zwischen Bischöfen gegeben. Eher sei es zu einem „Zerrüttungsprozess“ zwischen Pfeiffer und der Kirche gekommen.

Kirche unterstützt Kampagne „Kein Raum für Missbrauch“

Ausgerechnet am Tag nach dem Zerwürfnis zwischen Pfeiffer und der Kirche fiel in Berlin der Startschuss für die Kampagne „Kein Raum für Missbrauch“. Ziel ist die flächendeckende Einführung von Schutzkonzepten, um das Risiko von sexuellen Übergriffen in Kitas oder Sportvereinen zu verringern.

Die Bischofskonferenz unterstützt die Kampagne – allerdings nur ideell. So schickt die katholische Kirche beispielsweise Tausende Betreuer zu Fortbildungsmaßnahmen für den richtigen Umgang mit Kindern.

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