Das Regime will die Trägerin des Friedensnobelpreises vor den Wahlen mundtot machen.

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Die heute 63-jährige Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi 2002 vor einem Bild ihres 1947 ermordeten Vaters Aung San. Er kämpfte für die Unabhängigkeit des Landes von Großbritannien und ist in Birma ein Nationalheld.

Die heute 63-jährige Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi 2002 vor einem Bild ihres 1947 ermordeten Vaters Aung San. Er kämpfte für die Unabhängigkeit des Landes von Großbritannien und ist in Birma ein Nationalheld.

dpa

Die heute 63-jährige Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi 2002 vor einem Bild ihres 1947 ermordeten Vaters Aung San. Er kämpfte für die Unabhängigkeit des Landes von Großbritannien und ist in Birma ein Nationalheld.

Manado. Es war ein Dilemma, das den Junta-Generälen in Birma seit Monaten Kopfzerbrechen bereitet: Wie kann man die höchst populäre Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi aus dem Verkehr ziehen und gleichzeitig der Welt weismachen, dass faire Wahlen stattfinden?

Sie scheinen die Lösung gefunden zu haben: Die Militärbehörden stellten die 63-Jährige am Donnerstag vor Gericht. Ihr drohen drei bis fünf Jahre Haft. Dass die "Tat" ein anderer begangen hat, heißt in Birma nichts und hat Methode.

Der offizielle Grund der Haft ist der Besuch eines US-Bürgers bei Suu Kyi

Bei der "Tat" geht es um den mysteriösen Fall des Amerikaners, der vergangene Woche in Inya-See hinter Suu Kyis Haus festgenommen wurde. John William Yethaw (53) ist offenbar ein völlig unbeschriebenes Blatt. Niemand weiß, woher er kam, keine Familie, keine Organisation bittet um seine Freilassung.

Nach Angaben der Junta hat der Mann im Verhör zugegeben, drei Nächte in Suu Kyis Haus verbracht zu haben. Wiederum nach Angaben der Junta hat Suu Kyi zugegeben, dass er da war, sein Eindringen aber als inakzeptabel bezeichnet. In Birma kann eine Frau angeklagt werden, wenn ein Mann in ihr Haus eindringt.

Der Eindringling hätte dem Regime gelegener nicht kommen können. Mit einer Verurteilung Suu Kyis wird die Junta ein Riesenproblem los. 2010 gibt es eine Art Wahl. Ein Viertel der Parlamentssitze und Schlüsselpositionen in der Regierung sind für das Militär reserviert - aber immerhin. Suu Kyi hätte zwar selbst nicht antreten dürfen.

Schon seit 1988 währt der Kampf der Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi gegen die birmanische Militärjunta. 1991 wurde sie für ihren Einsatz mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Doch die Militärherrscher haben sich durch die hohe Auszeichnung nicht beeindrucken lassen. Sie ignorierten auch, dass die von Suu Kyi gegründete Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD) als haushohe Siegerin aus den Wahlen im Jahr 1990 hervorgegangen war. Das Ergebnis wurde nicht anerkannt.

1988 war das Schlüsseljahr für die zierliche Politikerin. Damals erschütterte eine Protestwelle Birma. Die Militärs ließen die Bewegung niederschießen, tausende Menschen kamen ums Leben. Die eigentlich im Ausland lebende Suu Kyi war im April 1988 nur in die Heimat gereist, um ihre kranke Mutter zu pflegen. Doch dann blieb sie im Land, hatte im August ihren ersten öffentlichen Auftritt und gründete einen Monat später zusammen mit anderen Oppositionellen die NLD.

Ehen mit Ausländern verwehren Zugang zu allen Ämtern, heißt es in der neuen Verfassung. Suu Kyi war mit einem Briten verheiratet. Aber das Regime musste die ungeheure Popularität der zierlichen Frau fürchten. Sie wäre natürlich ein Publikumsmagnet für die Opposition.

Suu Kyi weiter unter Hausarrest festzuhalten, wurde immer schwieriger. Eigentlich hätte sie nach birmanischem Gesetz schon vor einem Jahr - nach fünf Jahren kontinuierlicher Isolation - freigelassen werden müssen. Die Regierung, die sich als Hüterin von Recht und Ordnung verkauft, fand irgendeinen legalen Trick.

Doch der Druck wuchs, auch aus der Südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean, für die das Mitglied Birma immer mehr zur Peinlichkeit wird. Eine neuerliche Verlängerung des Hausarrests wäre schwierig geworden.

Suu Kyi stand 13 der vergangenen 19 Jahre unter Hausarrest

Die Junta hat die "Demokratie-Lady", wie sie im Volk genannt wird, 13 der vergangenen 19 Jahre durch Hausarrest mundtot gemacht. Vergessen wurde sie nie. Jedes Mal, wenn sie wieder in Erscheinung trat, lagen ihr die Massen zu Füßen.

Das war auch 2003 so, als überall Tausende zusammenliefen, wo Suu Kyi auftauchte. Bis das Regime die Begeisterungsstürme beendete. Ein regierungsfreundlicher Mob überfiel einen Autokonvoi mit Suu Kyi. Wahrscheinlich 70Menschen starben dabei.

Suu Kyi hat sich in 19 Jahren von dem Regime nicht brechen lassen. Selbst dann nicht, als ihr Mann in Großbritannien an Krebs erkrankte. Die Junta verweigerte ihm nach 1995 Visa für Birma, um sie zur Ausreise zu zwingen. Dabei war klar, dass Suu Kyi ihre Heimat danach nicht wieder betreten dürfte. So blieb sie. Ihr Mann Michael Aris starb 1999 an Krebs.

"Nicht Macht korrumpiert die Menschen, sondern Angst", sagte sie in einer berühmten Rede. "Die Angst, die Macht zu verlieren, korrumpiert diejenigen, die sie haben, und Angst vor der Geißel der Macht korrumpiert die, die darunter leiden."

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