In einem abgehörten Telefonat soll Italiens Regierungschef sein Land beleidigt haben. Opposition fordert den Rücktritt.

Affäre
Silvio Berlusconi nimmt selten ein Blatt vor den Mund.

Silvio Berlusconi nimmt selten ein Blatt vor den Mund.

Reuters

Silvio Berlusconi nimmt selten ein Blatt vor den Mund.

Rom. Ein böser Ausrutscher von Silvio Berlusconi sorgt in Italien für Empörung. Der Regierungschef soll am Telefon laut der Abhörprotokolle gesagt haben: „In einigen Monaten gehe ich weg, verlasse dieses Scheißland, das mich anekelt, Punkt und Schluss.“

Antonio Di Pietro, Chef der Partei „Italien der Werte“, sagte, Berlusconi habe „offensichtlich in den Spiegel geschaut und sich selbst beschrieben“. Der Abgeordnete Aldo Di Biagio nannte es unvermeidlich, dass sich in Italien nach 17 Jahren Berlusconi die „Jauche“ ausgebreitet habe. Wenn er gehen wolle, sei das die beste Lösung.

Telefonat wurde im Zuge einer Erpressungs-Affäre abgehört

An die Öffentlichkeit kam der Ausbruch Berlusconis durch ein polizeilich abgehörtes Gespräch. Die Worte des „Cavaliere“ vom 13. Juli wurden an dem Tag bekannt, als ein Ehepaar wegen mutmaßlicher Erpressung des Regierungschefs festgenommen wurde. Die beiden sollen von dem Medienmogul eine halbe Million Euro für Falschaussagen in einer Callgirl-Affäre eingestrichen haben. Gefahndet wird noch nach dem Chef einer Online-Zeitung, mit dem Berlusconi das Gespräch geführt hatte.

In dem Telefonat soll der 74-Jährige von sich gesagt haben: „Ich bin so transparent, so sauber in meinen Angelegenheiten.“ Das Einzige, was man von ihm sagen könne, sei, dass er sexuell aktiv sei. Was er freilich mit deftigeren Worten ausdrückte. Nun versucht Berlusconi die Wogen zu glätten: „Das ist eine dieser Sachen, wie man sie spät abends am Telefon so sagt, mit einem Lächeln.“ dpa/Red

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