Man könnte es sich einfach machen. Hier der Medienmogul, der als Regierungschef Recht, Moral und Demokratie verbiegt, wie es ihm passt; dort der schmierige Diktator, mutmaßliche Terrorist und Menschenverachter: Da haben sich zwei gesucht und gefunden. Aber ganz so einfach ist es natürlich nicht. Erstens sollte man Berlusconi und Gaddafi nicht ernsthaft auf eine Stufe stellen - bei aller berechtigten Kritik an Italiens Regierungschef. Und zweitens empfängt Berlusconi den Despoten aus Libyen nicht deshalb mit offenen Armen, weil es sich um eine echte Männerfreundschaft handelt. Es geht vielmehr um knallharte Interessen: Die Libyer investieren in die kränkelnde Wirtschaft Italiens. Ferner liefern sie jede Menge Gas und Öl nach Italien. Ohne diese Energiegeschäfte gingen in Italien schnell die Lichter aus.

Entschuldigt das die Art, wie Berlusconi Gaddafi hofiert? Wohl kaum. Es ist nur eine Erklärung dafür. Tatsächlich sollte sich der Italiener dafür schämen, wie er sich vor einem zynischen Despoten verbeugt.

 

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