Ex-SPD-Chef Kurt Beck verlangt Änderungen an Hartz IV.

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Kurt Beck will sich auf personelle Diskussionen nicht einlassen.

Kurt Beck will sich auf personelle Diskussionen nicht einlassen.

dpa

Kurt Beck will sich auf personelle Diskussionen nicht einlassen.

Berlin. Kurt Beck erreichen wir in Mainz, nicht etwa in Berlin. Am Morgen nach der Wahl bleibt er dem Präsidium und Vorstand der SPD fern. Er will sich Fragen der Medien ersparen, ob die SPD mit ihm als Chef besser gefahren wäre. "Ein müßig Spiel", antwortet der frühere Parteichef unserer Zeitung. Erst am Abend stößt er zur Sitzung der Landeschefs der SPD dazu.

Herr Beck, haben die 23Prozent Sie unvorbereitet getroffen?

Beck: Ich habe mit 26 plus X gerechnet. Das entsprach der Stimmung der letzten Wochen. Dass es viel weniger wurde, macht mich betroffen.

Das ist das schlechteste SPD-Ergebnis der Nachkriegsgeschichte.

Beck: Ein schlimmes Ergebnis. Aber es hilft nicht, Wunden zu lecken. Jetzt müssen wir die Niederlage sauber analysieren.

Versuchen wir es mal.

Beck: Für eine saubere Analyse braucht man etwas Zeit. Eines scheint mir als Feststellung richtig: Die Nachwehen der Hartz-Gesetze und der Rente mit 67 sind heftig und halten an. Und von der Verdrossenheit über die Große Koalition haben wir mehr als die Union abgekriegt. Das erklärt sich eher emotional als rational.

Muss die SPD sozialer sein, als die Agenda erlaubt?

Beck: Es gibt Dinge, die von den Menschen zu Recht als ungerecht empfunden werden. Da müssen wir nachsteuern.

Zum Beispiel?

Beck: Nehmen wir die Rente mit 67 und meinen berühmten Dachdecker. Ich habe immer dafür geworben, für diejenigen einen Weg zu finden, die harte und härteste Arbeit leisten. Wichtig ist mir, dass solche Menschen keine groben Abschläge in Kauf nehmen müssen, wenn sie in Rente gehen, nur weil sie nicht bis 67 arbeiten können. Es wäre ein Zeichen, dass wir die Menschen mit ihren tatsächlichen Sorgen verstehen.

Schreit dieses Ergebnis nach einem personellen Neuanfang?

Beck: Ich begrüße, dass Frank-Walter Steinmeier als Fraktionschef kandidiert.

Trauen Sie ihm die Doppelfunktion an der Spitze von Partei und Fraktion zu?

Beck: Ich will darüber nicht spekulieren, gerade ich nicht. Es würde schnell so aussehen, als wollte ich nachtreten. Nichts liegt mir ferner.

Herr Beck, wir lesen Ihnen einige Äußerungen vor, und Sie sagen, ob Sie zustimmen.

Beck: Einverstanden.

Die Fusion mit der Linken ist ein Fernziel.

Beck: Dem stimme ich begrenzt zu. Es muss um sozialdemokratische Politik gehen.

Schluss mit dem Agenda-Fundamentalismus.

Beck: Fundamentalismus ist immer falsch.

Das Lagerdenken führt in die Irre.

Beck: Absolut richtig.

Franz Müntefering ist mit seiner Strategie auf der ganzen Linie gescheitert.

Beck: Stimme ich nicht zu. Das wäre mir zu wohlfeil.

Ich beantworte jede Frage ehrlich.

Beck: Ich versuche es.

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