Organisatoren in London verlangen auch für Säuglinge Eintrittskarten. Betroffene Eltern sind erbost.

Ticketzwang
In vielen Stadien, wie hier in Eindhoven, sind Babys kein Problem.

In vielen Stadien, wie hier in Eindhoven, sind Babys kein Problem.

epa anp Robert Vos

In vielen Stadien, wie hier in Eindhoven, sind Babys kein Problem.

London. Britische Eltern sind stinksauer: Wer im Lotterieverfahren ein Ticket für Olympia 2012 ergattert, seitdem aber ein Kind bekommen hat, muss auch für das Baby eine Eintrittskarte zum vollen Preis erwerben.

Dabei brauchen Winzlinge keinen Sitzplatz – und Tickets im Wiederverkauf sind knapp. Betroffenen legen die Organisatoren nahe, ganz einfach auf den Besuch zu verzichten.

Von der „größten Abzocke in der Geschichte Londons“ ist in Elternforen die Rede, von „Baby-Verbannung“ und „unglaublicher Habgier“.

Doch die Organisatoren bleiben hart: Babys brauchen ein Ticket, selbst wenn sie auf dem Arm der Eltern mit in den Olympischen Park gebracht werden. Allein bei der Vergabe von benachbarten Sitzplätzen will man Familien behilflich sein.

Die Nerven liegen blank. Bereits die Regelung, Tickets nur mit der Kreditkarte von Visa zahlen zu können, hatte im April 2011, als das Losverfahren begann, für Zoff gesorgt.

Die Macher geben Sicherheitsgründe für ihre Einlasspolitik an

Die jüngste Auseinandersetzung wird nun vor der Britischen Kommission für Gleichberechtigung und Menschenrechte weiter ausgetragen. Dass Frauen bei der Ticketpraxis gegenüber Männern diskriminiert werden, sei offensichtlich: Stillende Mütter ohne Extra-Ticket würden von den Olympischen Spielen ausgeschlossen.

Vor allem aber liegen zwischen Lotterie und Auftakt der Spiele 15 Monate – eine Zeit, in der manche Ticketgewinner schwanger geworden sind. „Wir haben uns damals nur um zwei Plätze beworben, weil unser Baby zum Zeitpunkt der Lotterie nicht einmal als Idee existierte“, klagt eine werdende Mutter.

Bei dem Gespräch mit der Hotline der Organisatoren sei sie „vor Zorn an die Decke gegangen“: „Ich soll für ein Baby im Tragegurt 120 Euro zahlen. Da es aber kaum noch Karten fürs Springreiten gibt, müssen wir wohl ganz auf unsere Plätze verzichten und zu Hause bleiben.“

Die Neuverteilung von Resttickets im April ist die letzte Chance für Eltern. Sollten sie dann kein Baby-Extraticket erhalten, ist es allerdings auch zu spät, ihre Eintrittskarten weiterzuverkaufen.

Während die Macher Sicherheitsgründe für ihre Baby-Einlasspolitik angeben, haben Kleinkinder in vielen Londoner Sportstätten ganz selbstverständlich und kostenfrei Zutritt. Auch viele Fluggesellschaften lassen Kinder unter zwei Jahren kostenlos mitfliegen.

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