Selbstständige Geschäftseinheit angekündigt – doch eine vollständige Lösung vom Konzern ist nicht möglich.

Rüsselsheim. Opel will sich von der angeschlagenen Muttergesellschaft General Motors (GM) abkoppeln - doch so ganz kommt der Autobauer nicht von ihr los.

Opel solle künftig eine "selbstständige Geschäftseinheit" werden, sagte GM-Europachef Carl-Peter Forster nach der mit Spannung erwarteten Sitzung des Opel-Aufsichtsrates in Rüsselsheim. Jedoch könne Opel nicht vollständig aus dem Konzernverbund gelöst werden, um wirtschaftlich überlebensfähig zu bleiben.

Der Sanierungsplan sieht drei Teile vor, die laut Forster alle drei für eine "erfolgreiche Zukunft des Plans" erforderlich sind: 3,3 Milliarden Euro sollen von den europäischen Staats- und Landesregierungen mit GM-Standorten über Bürgschaften oder Kredite gezahlt werden. Die von der Insolvenz bedrohte Mutter GM soll drei Milliarden Euro aufbringen, in erster Linie durch Sacheinlagen wie Patente. Opel hält nämlich nicht mehr die Patente und Rechte an den eigenen Modellen.

Eingeplant sind außerdem 1,2 Milliarden Euro durch Kostenreduzierungen. Opel setzt dabei auf Gehaltsverzicht seiner Mitarbeiter und Abfindungslösungen. Allerdings schloss Forster härtere Maßnahmen nicht aus: "Wir müssen eventuell Werksschließungen in Betracht ziehen." Auch der Verkauf von Werken ist kein Tabu mehr.

Laut "Financial Times Deutschland" (FTD) wird der Verkauf des Werkes in Eisenach geprüft, wo der Corsa gebaut wird. Ungewiss sei zudem die Zukunft des Werkes in Bochum. "Bochum ist das größte Problem", zitiert die "FTD" Kreise der Bundesregierung. Der Bochumer Betriebsratschef Reiner Einenkel gab sich gestern gelassen: In Bochum werde ein Stellenabbau keine besondere Unruhe verursachen. Man habe bereits für die Zusage der neuen Modellreihe von Astra und Zafira den Abbau von 1000 der 4200 Stellen zugesagt.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) begrüßte am Freitag Abend die neuen Opel-Pläne als ersten richtigen Schritt. Ab Samstag würden die Gespräche mit der Bundesregierung aufgenommen. Bedingung für eine mögliche Hilfe des Staates sei zweierlei: Es dürfe kein deutscher Standort geschlossen werden und deutsche Steuergelder dürften nicht in die USA fließen.

Am Montag will Opel den Sanierungsplan der Bundesregierung vorstellen. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will sich am Samstag mit den Ministerpräsidenten der Länder beraten. Ist der Rettungsplan realistisch? Sagen Sie Ihre Meinung!

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