Silvio Berlusconi bei einer Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag in Mailand. Foto: Daniel Dal Zennaro
Silvio Berlusconi bei einer Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag in Mailand. Foto: Daniel Dal Zennaro

Silvio Berlusconi bei einer Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag in Mailand. Foto: Daniel Dal Zennaro

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Silvio Berlusconi bei einer Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag in Mailand. Foto: Daniel Dal Zennaro

Rom (dpa) - Das Lob von Ex-Premier Silvio Berlusconi für den faschistischen Diktator Benito Mussolini hat in Italien heftige Kritik ausgelöst. Berlusconi selbst reagierte am Sonntagabend mit einer Erklärung, es könne gar keine Unklarheit über die faschistische Diktatur geben.

«Meine historischen Analysen sind immer auf der Grundlage einer Verurteilung von Diktaturen gegründet gewesen», so Berlusconi. Seine eigene Rolle sei immer die eines «historischen Freundes Israels» gewesen.

Berlusconi hatte am Sonntagvormittag bei einer Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag in Mailand gesagt, Mussolini habe viele Dinge gut gemacht. Seine größte Schuld habe er mit den Rassengesetzen auf sich geladen. Italien trage nicht dieselbe Verantwortung wie Deutschland. Es habe zwar eine Mitwisserschaft gegeben, die aber anfangs nicht auf vollem Bewusstsein beruhte.

Der Chef der linken PD (Demokratische Partei) Pier Luigi Bersani warf Berlusconi unanständiges Verhalten vor. Der Gedenktag sollte zum Nachdenken dienen, wie der Abgrund überwunden werden könne, Berlusconi habe den Tag hingegen vor den Parlamentswahlen genutzt, Stimmen am rechten Rand zu fischen. Ähnlich äußerte sich Susanna Camusso, Chefin der mächtigen Gewerkschaft CGIL. Es sei nicht das erste Mal, dass der Ex-Premier es an Klarheit bezüglich des Faschismus als schlimmstem Kapitel der jüngeren italienischen Geschichte fehlen lasse. Berlusconi konterte seinerseits, die Empörung über seine Äußerungen sei Wahlkampfgetrommel seiner Gegner.

Der scheidende Ministerpräsident Mario Monti hatte am Vormittag bei der Gedenkveranstaltung in Mailand zur Achtsamkeit gegenüber neuen rechtsradikalen Umtrieben auf. Man müsse auf «Glutnester» achten, die gelegentlich aufflammten. Die Tragödie der Nazizeit dürfe sich nie wiederholen. Am 27. Januar 1945 waren die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz befreit worden.

Berlusconi führt bei den Parlamentswahlen Ende Februar die Mitte-Rechts-Koalition an. Sollte sein Bündnis siegen, will er möglicherweise Wirtschaftsminister werden. Auf das Amt des Ministerpräsidenten erhebt er nach seinen jüngsten Aussagen keinen Anspruch.

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