Das Kirchenrecht erlaubt diesen Schritt. Im Jahr 1294 dankte erstmals ein Pontifex ab.

Papst Benedikt XVI. gibt Pontifikat am 28. Februar auf
Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI.

Michael Kappeler

Papst Benedikt XVI.

Düsseldorf. Zum ersten Mal seit mehr als 700 Jahren tritt ein Papst ab. Aber darf Benedikt XVI. das überhaupt? Als Nachfolger des heiligen Petrus, als absoluter Monarch im Vatikan und oberster Hirte der katholischen Christenheit ist er doch auf Lebenszeit gewählt. Ja, er darf. Ein solcher Entschluss bedarf keiner Zustimmung und ist an keine Form gebunden.

Rechtlich festgeschrieben ist die Möglichkeit eines Amtsverzichts im Canon 332, Paragraf 2, des Kirchenrechts. Darin heißt es wörtlich: „Falls der Papst auf sein Amt verzichten sollte, ist zur Gültigkeit verlangt, dass der Verzicht frei geschieht und hinreichend kundgemacht, nicht jedoch, dass er von irgendwem angenommen wird.“ Der Papst muss jedoch „handlungsfähig“ sein und seinen Entschluss „unabhängig von Bedrohung, Bestechung, Täuschung oder Irrtum“ fassen können.

1046 wurden gleich drei konkurrierende Päpste abgesetzt

Doch bislang hat die Kirche auf diesem Gebiet kaum Erfahrung: Es gab zwar Abdankungen und Absetzungen in der langen Kirchengeschichte, doch ihre Umstände taugen heute nicht mehr als Vergleich. In die Geschichte eingegangen ist vor allem die Synode von Sutri 1046, als König Heinrich III. gleich drei konkurrierende Päpste absetzte.

Coelestin V. dankte nach nur fünf Monaten im Amt ab

Knapp 250 Jahre später dankte der etwa 80-jährige Coelestin V. nach nur fünfmonatiger Amtszeit ab. Er war 1294 im Streit zwischen zwei Adelsparteien gewählt worden und geriet schnell in die völlige Abhängigkeit von Karl II. von Anjou, dem König von Neapel. Weil er auch ohnmächtig gegenüber der Kurie war, verzichtete er auf sein Amt.

1415, gut 100 Jahre später, beendete das Konzil von Konstanz Kirchenwirren und Spaltung: Ein Gegenpapst (Johannes XXIII.) und ein Avignoner Papst (Benedikt VIII.) wurden abgesetzt, der römische Papst Gregor XII. trat zurück, ein neuer Papst wurde gewählt. Damit war Gregor XII. der letzte Papst, der freiwillig auf sein Amt verzichtete.

Der Zurückgetretene darf die Wahl des Nachfolgers nicht beeinflussen

Unter Kirchenexperten herrscht Einigkeit, dass sich der Papst im Fall eines Rücktritts sofort und vollständig aus allen Ämtern und aus dem öffentlichen Leben der Kirche zurückziehen muss. Nur so könne gewährt werden, dass der Zurückgetretene nicht die Wahl seines Nachfolgers beeinflusst.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer