Die Gewerkschaften verlangen sechs Wochen Mindesturlaub für alle. Arbeitgeber laufen dagegen Sturm.

Vorstoss
Ein Mann steht vor einem Plakat, mit dem die Gegner einer Ferienausweitung vor den möglichen Folgen warnen.

Ein Mann steht vor einem Plakat, mit dem die Gegner einer Ferienausweitung vor den möglichen Folgen warnen.

dpa

Ein Mann steht vor einem Plakat, mit dem die Gegner einer Ferienausweitung vor den möglichen Folgen warnen.

Zürich. Der Patient liegt auf dem OP-Tisch. Doch weder Ärzte noch Schwestern sind in Sicht. Am Narkosegerät ein Zettel: „Personalmangel wegen neuer Ferienregelung“. Dann eine Stimme: „Sechs Wochen Ferien für alle. Klingt gut. Aber die Folgen werden wir alle spüren.“ Das Video ist Teil einer Kampagne der Schweizer Arbeitgeber. Sie soll verhindern, dass sich die Eidgenossen per Volksentscheid einen gesetzlichen Mindesturlaub von sechs statt wie bisher vier Wochen genehmigen.

Zum Vergleich: In der EU stehen Arbeitnehmern mindestens 20 freie Werktage zu. Diese Regelung gilt unter anderem in Deutschland. Mehr gibt es etwa in Österreich und Dänemark (jeweils 25 Tage).

Je näher die Abstimmung am Sonntag in der Schweiz rückt, desto dringender werden mahnende Auftritte führender Unternehmer und bürgerlicher wie sozialdemokratischer Regierungspolitiker. Sie lehnen die Initiative ab. Überall – in Zeitungen, im Fernsehen, auf Straßen – ist eine Warnung unübersehbar: „Mehr Ferien = weniger Jobs.“

Seit einem Vierteljahrhundert beträgt der Anspruch vier Wochen

Die millionenteure Kampagne sei „Angstmacherei“, schimpft Therese Schmid vom Gewerkschaftsdachverband Travail.Suisse. Der Verband hatte den Volksentscheid durch die Sammlung von mehr als den dafür verlangten 100 000 Unterschriften erzwungen. Seit einem Vierteljahrhundert betrage der Urlaubsanspruch vier Wochen; das reiche nicht mehr aus. Durch steigenden Wettbewerbsdruck, technische Entwicklungen und die Globalisierung sei „die Wirtschaft immer schneller und härter“ geworden.

Die Arbeitgeber machen geltend, dass sechs Wochen „Mindestferien“ Mehrkosten in Höhe von sechs Milliarden Franken (fünf Milliarden Euro) verursachen würden. Und das in einer Zeit, da die Schweizer Exportwirtschaft unter den Turbulenzen im Euro-Raum leide.

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