Bei vier Explosionen wurden mindestens 29 Menschen verletzt. Die Uefa sieht das Turnier nicht in Gefahr.

Anschlagsserie
Anhänger der inhaftierten Julia Timoschenko protestieren in der Hauptstadt Kiew gegen die Haftbedingungen der Ex-Regierungschefin.

Anhänger der inhaftierten Julia Timoschenko protestieren in der Hauptstadt Kiew gegen die Haftbedingungen der Ex-Regierungschefin.

dpa

Anhänger der inhaftierten Julia Timoschenko protestieren in der Hauptstadt Kiew gegen die Haftbedingungen der Ex-Regierungschefin.

Kiew/Berlin. Sechs Wochen vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft hat eine Anschlagsserie die Ukraine erschüttert. Innerhalb weniger Minuten detonierten am Freitag vier Bomben an belebten Plätzen in der Industriestadt Dnjepropetrowsk, aus der die inhaftierte Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko stammt.

Laut Innenministerium wurden mindestens 29 Menschen verletzt, darunter zehn Kinder. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem Terroranschlag. In Kiew demonstrierten mehr als 2000 Menschen für Timoschenko.

Die Europäische Fußball-Union Uefa und die örtlichen Behörden sehen die Sicherheit für die EM aber weiter gewährleistet. Das Auswärtige Amt änderte allerdings seine Reisehinweise und riet zu „besonderer Vorsicht“.

Augenzeugen berichten von tumultartigen Szenen

Die Ukraine ist vom 8. Juni an mit Polen Gastgeber der Fußball-EM. Die Regierung in Kiew steht wegen des Umgangs mit Oppositionellen unter internationalem Druck. Vor allem die Behandlung der wegen Amtsmissbrauchs verurteilten und an einem Bandscheibenvorfall leidenden Timoschenko hat Proteststürme ausgelöst.

Der erste Sprengsatz explodierte in einem Abfalleimer an einer Haltestelle. Kurz darauf ereigneten sich drei weitere Explosionen. Zeugen berichteten von tumultartigen Szenen. Hinweise auf die Täter gab es nicht. Präsident Viktor Janukowitsch sprach von einem „Anschlag auf das ganze Land“.

Uefa-Präsident Michel Platini verteidigte die Vergabe der EM an die Ukraine. „Die EM nicht in Länder wie die Ukraine zu vergeben, weil nicht alles so gefestigt ist wie in westeuropäischen Demokratien? Das ist keine Lösung“, sagte er.

Die Bundesregierung forderte die Ukraine zu schnellem Handeln im Fall Timoschenko auf. „Es kann hier kein Spiel auf Zeit geben von der ukrainischen Regierung“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ offen, ob sie zur EM in die Ukraine reisen werde. Red/dpa

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