Türkei-Besuch 2014: Bundespräsident Gauck (l) wird in Ankara mit militärischen Ehren empfangen. Foto: Rainer Jensen/Archiv
Türkei-Besuch 2014: Bundespräsident Gauck (l) wird in Ankara mit militärischen Ehren empfangen. Foto: Rainer Jensen/Archiv

Türkei-Besuch 2014: Bundespräsident Gauck (l) wird in Ankara mit militärischen Ehren empfangen. Foto: Rainer Jensen/Archiv

Bundespräsident Gauck (l) und der türkischen Ministerpräsident Erdogan unterhalten sich in Ankara. Foto: Jesco Denzel/Archiv

Bundestagspräsident Norbert Lammert bei seiner Rede anlässlich der Debatte zu den Massakern von 1915/16. Foto: Britta Pedersen

dpa, Bild 1 von 3

Türkei-Besuch 2014: Bundespräsident Gauck (l) wird in Ankara mit militärischen Ehren empfangen. Foto: Rainer Jensen/Archiv

Istanbul/Berlin (dpa) - Die Aussagen von Bundespräsident Joachim Gauck zum «Völkermord» an den Armeniern stürzen Deutschland in eine diplomatische Krise mit der Türkei.

«Das türkische Volk wird dem deutschen Präsidenten Gauck seine Aussagen nicht vergessen und nicht verzeihen», erklärte das Außenministerium des EU-Beitrittskandidaten in Ankara.

Gauck hatte die Massaker im Osmanischen Reich an bis zu 1,5 Millionen Armeniern im Ersten Weltkrieg erstmals klar als Völkermord bezeichnet. Er setzte sich damit über Bedenken hinweg, diese Einordnung könnte die Beziehungen zum Nato-Partner Türkei beschädigen. Die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs lehnt die Bezeichnung Völkermord ab.

Die Regierung in Ankara reagierte entsprechend scharf. Gauck habe keine Befugnis, der türkischen Nation eine Schuld anzulasten, die den rechtlichen und historischen Fakten widerspreche, hieß es in der Mitteilung des Außenministeriums. Die Regierung warnte vor «langfristigen negativen Auswirkungen» auf das deutsch-türkische Verhältnis.

Präsident Recep Tayyip Erdogan wies am Samstag alle Staaten zurecht, die von Völkermord sprechen. Speziell Russland, Frankreich und Deutschland sollten sich um ihre eigene Geschichte kümmern, sagte er laut der Nachrichtenagentur Anadolu. «Zuerst müssen sie, einer nach dem anderen, die dunklen Punkte ihrer eigenen Geschichte bereinigen.»

Das türkische Außenministerium hatte dem französischen Präsidenten François Hollande dessen Teilnahme an einer Gedenkzeremonie in Armenien vorgehalten, die Ankara als «Verunglimpfung der türkischen Identität, Geschichte und Gesellschaft» einstufte. Die Russen erinnerte die türkische Regierung an eigene «Gräueltaten und Vertreibungen» im Kaukasus, in Zentralasien und Osteuropa während der vergangenen hundert Jahre.

Der Bundestag hatte sich am Freitag Gaucks Bewertung der Gräueltaten an den Armeniern angeschlossen. Redner aller Fraktionen teilten diese Einschätzung. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) meldeten sich nicht selbst zu Wort.

Die Massaker im Osmanischen Reich hatten am 24. April 1915 mit der Verhaftung Hunderter Intellektueller in Konstantinopel (Istanbul) begonnen. Im Kampf gegen das christliche Russland warf die osmanische Regierung den Armeniern vor, mit dem Feind zu paktieren. Nach Schätzungen kamen zwischen 200 000 und 1,5 Millionen Menschen ums Leben. Die Armenier bezeichnen sich selbst als das weltweit älteste christliche Volk.

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