Vaclav Klaus kann nach fast zehn Jahren als tschechisches Staatsoberhaupt nicht mehr antreten. Foto: J. J. Guillen
Vaclav Klaus kann nach fast zehn Jahren als tschechisches Staatsoberhaupt nicht mehr antreten. Foto: J. J. Guillen

Vaclav Klaus kann nach fast zehn Jahren als tschechisches Staatsoberhaupt nicht mehr antreten. Foto: J. J. Guillen

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Vaclav Klaus kann nach fast zehn Jahren als tschechisches Staatsoberhaupt nicht mehr antreten. Foto: J. J. Guillen

Prag (dpa) - Unter großem Andrang hat in Tschechien die zweitägige Wahl eines neuen Präsidenten begonnen. Die Wahllokale öffneten am Freitagnachmittag. Zum ersten Mal können die Bürger des EU-Landes ihr Staatsoberhaupt direkt bestimmen.

Die Beteiligung ist hoch: In den ersten drei Stunden ging nach offiziellen Schätzungen mehr als ein Fünftel der 8,4 Millionen Berechtigten wählen. Als Favoriten gelten der Linkspolitiker Milos Zeman und der bürgerliche Kandidat Jan Fischer. Auch dem konservativen Außenminister Karel Schwarzenberg werden unter den neun Bewerbern Chancen eingeräumt. Die Entscheidung fällt wahrscheinlich erst in einer Stichwahl am 25. und 26. Januar.

Der vehemente Eurokritiker Vaclav Klaus kann nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Beobachter rechnen mit einem proeuropäischen Kurswechsel seines Nachfolgers auf dem Prager Hradschin. Der Präsident repräsentiert das Land im Ausland. Er ernennt den Ministerpräsidenten, die Verfassungsrichter und den Nationalbankrat.

«Milos Zeman ist mein größter Rivale», gab sich der Statistik-Experte Fischer bei der Stimmabgabe kämpferisch. Der konservative Ministerpräsident Petr Necas sagte, er habe seinen Parteifreund Premysl Sobotka gewählt. Umfragen sahen den ODS-Bewerber chancenlos.

Die Volkswahl des Präsidenten sei ein «politischer Kompromiss», sagte Necas der Agentur CTK. «Es ist ein großer Fortschritt», meinte indes der adelige Präsidentschaftskandidat Schwarzenberg. Wichtiger als die Wahl selbst sei, dass die Zivilgesellschaft aufwache, erklärte der ganzkörper-tätowierte Bewerber Vladimir Franz. Der Komponist ging im einstigen Industrieviertel Prag-Smichov wählen.

Aufreger-Thema im Wahlkampf war die undurchsichtige Kampagnen-Finanzierung, die von der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International (TI) kritisiert wurde. «Es ist wichtig zu wissen, wer hinter dem Präsidenten steht, denn er hat zwar formell keine großen Vollmachten, aber einen enormen Einfluß», sagte der TI-Chef in Tschechien, David Ondracek, der Nachrichtenagentur dpa.

Am Samstag sind die fast 15 000 Wahllokale von 8.00 bis 14.00 Uhr geöffnet. Vorläufige Ergebnisse werden am frühen Abend erwartet.

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