Der 500-Einwohner-Ort hat den Zuschlag für das erste Zwischenlager bekommen und hofft auf eine bessere Zukunft.

In der Dorfschenke wurde der Zuschlag für das Atom-Lager gefeiert.
In der Dorfschenke wurde der Zuschlag für das Atom-Lager gefeiert.

In der Dorfschenke wurde der Zuschlag für das Atom-Lager gefeiert.

dpa

In der Dorfschenke wurde der Zuschlag für das Atom-Lager gefeiert.

Madrid. In dem kleinen spanischen Dorf Villar de Canas wurde dieser Tage besonders heftig gefeiert: Die 500 Bewohner bejubelten, dass ihr Nest zum spanischen Atomdorf bestimmt wurde. Ihr Ort erhielt von Spaniens neuer konservativer Regierung den Zuschlag für das erste nukleare Zwischenlager der Nation. Dort sollen künftig die alten hoch radioaktiven Brennstäbe der acht spanischen Atomkraftwerke verstaut werden.

Bürgermeister Jose Maria Saiz sagt: „Das ist wie ein Lottogewinn.“ Das Zwischenlager, so hoffen die Einwohner, werde ihrem Dorf eine neue Zukunft geben. Arbeitsplätze, Besucher, Investitionen und Subventionen – genau das, was ihr sterbendes Nest, rund anderthalb Autostunden östlich von Spaniens Hauptstadt Madrid, bitter nötig habe. In der Dorfschenke knallten die Korken, als die Entscheidung von Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy bekanntwurde.

Für rund 700 Millionen Euro soll auf den Äckern von Villar de Canas, das mehr schlecht als recht vom Getreideanbau lebt, das riesige Atommüll-Zwischenlager gebaut werden. Bis zu 1000 Arbeitsplätze sollen entstehen.

Umweltschutzverbände wurden von der Entscheidung überrascht

An große Anti-Atom-Proteste, wie sie etwa in Deutschland normal sind, kann sich Saiz nicht erinnern. Zwar seien kurz nach der nuklearen Entscheidung „ein paar hundert“ Demonstranten aufgetaucht. „Aber die kamen nicht aus unserem Dorf.“ Spaniens Umweltschutzverbände, die offenbar von dem Beschluss der neuen Regierung überrascht wurden, haben jedoch angekündigt, dass sie sich gegen diesen „umweltpolitischen Irrtum“ mit aller Kraft stemmen werden.

Spaniens Regierung hatte die Entscheidung über das Atommüll-Lager immer wieder aufgeschoben. Der im November 2011 abgewählte sozialistische Regierungschef Jose Luis Zapatero hatte die brisante Frage vertagt, um nicht noch mehr Stimmen zu verlieren. Sein konservativer Nachfolger Mariano Rajoy sorgte über Nacht für Klarheit. Wenn auch notgedrungen, weil die Atommüll-Depots auf den spanischen Kraftwerksgeländen langsam überquellen, bald gibt es dort keinen Platz mehr für alte Brennstäbe. Zudem ist Spanien verpflichtet, große Mengen von Nuklearschrott zurückzunehmen, der befristet nach Frankreich verschoben wurde.

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