Der Prozess gegen den US-Soldaten könnte zum Musterfall für andere Informanten werden.

Bradley Manning
Der US-Obergefreite Bradley Manning. Foto: Michael Reynolds

Der US-Obergefreite Bradley Manning. Foto: Michael Reynolds

dpa

Der US-Obergefreite Bradley Manning. Foto: Michael Reynolds

Washington. Diesen Richterspruch dürften der US-Informant Edward Snowden und Julian Assange, Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, mit Spannung erwarten. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Geheimnisverräter Bradley Manning (25), der zugleich das erste große Verfahren in den USA gegen einen solchen Informanten ist, ging gestern mit den Schlussplädoyers auf die Zielgerade. Ob noch in der Nacht ein Urteil fallen sollte, blieb zunächst unklar. Der Analyst im Geheimdienst der Armee war vor mehr als drei Jahren im Irak verhaftet worden. Seitdem sitzt er im Gefängnis.

Die Informationen wurden bei Osama bin Laden gefunden

Für die US-Regierung wurden die Enthüllungen Mannings zum Informations-Gau: Aufnahmen von Luftangriffen im Irak und in Afghanistan, auf denen das Militär Zivilisten tötet, sowie Berichte über Guantámao-Häftlinge und eine Viertelmillion Depeschen von amerikanischen Diplomaten. Wusste der Obergefreite, dass diese geheimen Informationen, die er der Enthüllungsplattform Wikileaks zuspielte, in die Hände der Terrororganisation Al Kaida gelangen würden? Eine US-Spezialeinheit fand die Dokumente auf dem Computer von Al Kaida-Chef Osama bin Laden.

Der Soldat hat die Weitergabe der Dokumente gestanden

Die Anklage wirft dem 25-jährigen Manning vor, die Dokumente mit böser Absicht weitergegeben zu haben. Der Soldat hat gestanden, Hunderttausende Unterlagen aus geheimen Militärdatenbanken entwendet und an Wikileaks gegeben zu haben. Die Anklage erhebt jedoch noch schwerere Vorwürfe, darunter „Unterstützung des Feindes“. Bei einer Verurteilung könnte das Manning-Verfahren Beobachtern zufolge zum Präzedenzfall für weitere Informanten wie Snowden und Assange werden. Jeder Geheimnisverräter, der Informationen im Internet öffentlich macht, könnte dann wegen „Unterstützung des Feindes“ angeklagt werden.

Snowden und Assange müssen eine Anklage in den USA fürchten

Snowden und Assange müssen befürchten, in den USA wegen Geheimnisverrats angeklagt zu werden – allerdings nicht vor einem Militärstrafgericht. Dem langen Arm der US-Behörden konnten sie sich bislang allerdings entziehen.

Bradley Manning wuchs in einer Kleinstadt in Oklahoma im Mittleren Westen der USA auf. Nach der Scheidung der Eltern zog er zeitweise mit seiner Mutter nach Großbritannien. Bereits früh habe der Jugendliche begonnen, sich für Computer zu interessieren, schrieb die „Washington Post“. Später habe der Hochbegabte zur Hackerszene Kontakt aufgenommen.

Nach der Schule kehrte er in die USA zurück. Nachdem er sich einige Zeit lang mit Nebenjobs über Wasser hielt, trat er in die Armee ein und wurde Geheimdienst-Analyst. 2009 kam er mit seiner Truppe in den Irak. Dort habe er psychische Probleme bekommen und einen Zusammenbruch erlitten.

Seine Motive für die Weitergabe der Informationen beschrieb er wie folgt: „Wenn du freien Zugang zu Geheimdokumenten hast“, zitiert ihn ein Unterstützer-Netzwerk, „und du unglaubliche, schreckliche Dinge siehst, Dinge, die an die Öffentlichkeit gehören: Was würdest du tun?“ Er fügte hinzu: „Ich möchte, dass die Menschen die Wahrheit sehen.“

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