Milos Zeman
Zum ersten Mal konnten die Tschechen mit ihrer Stimme entscheiden, wer ihr nächster Präsident werden soll. Ein linker Politiker, Milos Zeman, liegt vorn, aber die Entscheidung fällt erst in einer Stichwahl. Foto: epa/Filip Singer

Zum ersten Mal konnten die Tschechen mit ihrer Stimme entscheiden, wer ihr nächster Präsident werden soll. Ein linker Politiker, Milos Zeman, liegt vorn, aber die Entscheidung fällt erst in einer Stichwahl. Foto: epa/Filip Singer

dpa

Zum ersten Mal konnten die Tschechen mit ihrer Stimme entscheiden, wer ihr nächster Präsident werden soll. Ein linker Politiker, Milos Zeman, liegt vorn, aber die Entscheidung fällt erst in einer Stichwahl. Foto: epa/Filip Singer

Prag (dpa) - Kleine Überraschung bei der Präsidentenwahl in Tschechien: Außenminister Karel Schwarzenberg zog überraschend an Mitfavorit Jan Fischer vorbei und trifft nun in der Stichwahl auf Milos Zeman.

In der zweiten Wahlrunde am 25. und 26. Januar müssen sich die Tschechen nun zwischen dem Linkspolitiker Zeman und dem Konservativen Schwarzenberg entscheiden. Nach der Auszählung von mehr als 99 Prozent der Wahlbezirke führte Ex-Ministerpräsident Zeman (68) mit 24,2 Prozent der Stimmen, der 75 Jahre alte Schwarzenberg überrundete den Favoriten Jan Fischer und erhielt 23,4 Prozent. Fischer, in Umfragen stets als vermutlicher Zweitplatzierter der insgesamt neun Kandidaten gehandelt, kam auf 16,36 Prozent.

Zeman repräsentiere die Vergangenheit, sagte Schwarzenberg am Samstag vor Anhängern in Prag. «Innerhalb der nächsten 14 Tage wird sich die grundsätzliche politische Ausrichtung der Tschechischen Republik entscheiden», sagte der böhmisch-fränkische Adelige. Tschechien müsse wieder einen Platz im Herzen Europas finden.

Zeman stand von 1998 bis 2002 an der Spitze einer sozialdemokratischen Minderheitsregierung. Der 68-Jährige gilt als Meister des politischen Bonmots, aber auch als Provokateur. Zeman warf Schwarzenberg vor, dass er als Parteichef der konservativen TOP09 die Sparpolitik der Regierung mitzuverantworten habe.

Da die mehr als acht Millionen Wähler erstmals direkt über das Staatsoberhaupt entscheiden konnten, gab es einen für das EU-Land ungewöhnlich großen Andrang bei der Stimmabgabe: Die Wahlbeteiligung lag bei rund 60 Prozent. Bei der Senatswahl im Herbst hatte die Beteiligung bei nur 34,9 Prozent gelegen.

Der scheidende Präsident und scharfe EU-Kritiker Vaclav Klaus (71) konnte nach fast zehn Jahren im Amt nicht mehr antreten. Er war noch von beiden Kammern des Parlaments gemeinsam bestimmt worden. Alle aussichtsreichen Kandidaten für seine Nachfolge kündigten im Wahlkampf einen stärker pro-europäischen Kurs an.

Der Präsident repräsentiert das Land im Ausland. Er ernennt den Ministerpräsidenten, die Verfassungsrichter und den Nationalbankrat. Mit einem vorläufigen Endergebnis wurde am Abend gerechnet.

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