Die Zuwanderer ärgern sich über ihr schlechtes Image in Großbritannien. Die meisten kamen schweren Herzens.

Georgiana Borca (li.) und Marta Vamann vor dem Gebäude ihrer Universität in London.
Georgiana Borca (li.) und Marta Vamann vor dem Gebäude ihrer Universität in London.

Georgiana Borca (li.) und Marta Vamann vor dem Gebäude ihrer Universität in London.

Meike Stolp

Georgiana Borca (li.) und Marta Vamann vor dem Gebäude ihrer Universität in London.

London. Georgiana Borca sitzt im Café der Londoner Middlesex Universität, blonde Haare, braune Augen, auf dem Tisch ein Smartphone, das immer wieder Geräusche von sich gibt.

Eine typische Studentin, die aber mit Vorurteilen zu kämpfen hat. Borca ist Rumänin. Seit etwa zwei Jahren lebt sie in London. „Ich bekomme kein Geld von meinen Eltern“, sagt sie. „Ich versorge mich selbst.“

Sie hat im Café gearbeitet, zurzeit macht sie ein Praktikum beim britischen Fernsehsender ITV. Sie studiert Medien und Journalismus. Weshalb es sie umso mehr ärgert, dass die britische Boulevardpresse sie und ihre Landsleute zu armen, ungebildeten Kleinganoven stilisiert.

Mit einer neuen Flut an bulgarischen und rumänischen Einwanderern rechnet sie nicht. „Menschen, die in Rumänien Familie haben, verlassen nicht so einfach das Land“, erklärt sie.

Seit dem 1. Januar ist es Rumänen und Bulgaren erlaubt, im Rahmen der EU-Freizügigkeit ohne Visum in alle EU-Mitgliedstaaten einzureisen und dort zu arbeiten. Das sorgt nicht nur hierzulande für Diskussionen um „Sozialtourismus“, bereits Wochen vor dem Stichtag haben auch Politiker und Boulevardmedien in Großbritannien das Thema häufig aufgegriffen.

„Wir haben alles in unserem Land – wenn die Korruption nicht wäre“

Während hierzulande über die Aussage der EU-Kommission debattiert wird, dass Zuwanderer nicht pauschal von Sozialleistungen ausgeschlossen werden können, kritisiert Großbritanniens Premier David Cameron die bisherigen Regelungen. Er würde gern die Freizügigkeit für Bürger aus den ärmeren Ländern einschränken. Dafür müssten die EU-Verträge geändert werden.

Eine Gruppe Tory-Abgeordneter hatte erst im Dezember den Premierminister in einem offenen Brief aufgefordert, die Kontrollen für Bulgaren und Rumänen auszuweiten. Einige britische Politiker, allen voran die EU-kritische Partei Ukip benutzen, wie einige ihrer CSU-Kollegen in Deutschland, gern das Bild der Armutszuwanderer.

„Wir haben sehr intelligente Menschen in unserem Land“, sagt Ana Marita, um die 40. Die Rumänin steht hinter der Kasse im Supermarkt „Bucharest“, gegenüber dem Wembley-Stadium. „Ich fühle mich diskriminiert“, sagt sie laut, ihre Augen blitzen. „Wir Rumänen sind ein stolzes Volk. Wir arbeiten hart und beschweren uns nicht.“

Was sie noch dazu ärgert, ist, dass die Briten, wie die meisten Europäer, wenig über Rumänien wissen: „Wir haben alles in unserem Land: Berge, Meer. Rumänien ist schöner als Großbritannien. Wenn nur die Korruption nicht wäre“, erklärt Ana Marita.

Rumänien hatte bis zum Ende der 2000er eine florierende Wirtschaft

„Die meisten haben überhaupt keine Vorstellung von Rumänien,“ erklärt Nicolae Ratiu, Sohn des rumänischen Politikers und einstigen Präsidentschaftskandidaten Ion Ratiu, Treuhänder des „Romanian Cultural Centres“ in London. Das Kulturinstitut versuche dem entgegenzuwirken, zum Beispiel durch das jährliche „Romanian Film Festival“. Bis zur Finanzkrise Ende der 2000er Jahre, hatte Rumänien die am schnellsten wachsende Wirtschaft in der EU.

Studentin Georgiana Borca will übrigens nach dem Studium erst einmal in Großbritannien bleiben und eine Karriere in den Medien angehen.

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