Entsetzen in Izmir: Auch Sicherheitskräfte reagieren geschockt auf den Autobombenanschlag. Foto: Emre Tazegul
Entsetzen in Izmir: Auch Sicherheitskräfte reagieren geschockt auf den Autobombenanschlag. Foto: Emre Tazegul

Entsetzen in Izmir: Auch Sicherheitskräfte reagieren geschockt auf den Autobombenanschlag. Foto: Emre Tazegul

Die Autobombe ist vor dem Eingang für Richter und Staatsanwälte explodiert. Foto: IHA

Das Gerichtsgebäude wurde evakuiert. Foto: AP

dpa, Bild 1 von 3

Entsetzen in Izmir: Auch Sicherheitskräfte reagieren geschockt auf den Autobombenanschlag. Foto: Emre Tazegul

Istanbul (dpa) - Vier Tage nach dem verheerenden Terrorangriff in der Silvesternacht in Istanbul ist die bislang ruhige westtürkische Metropole Izmir von einem tödlichen Anschlag erschüttert worden. Bei der Explosion einer Autobombe vor dem Justizgebäude seien mindestens zwei Menschen getötet worden.

Das sagte Izmirs Gouverneur Erol Ayyildiz am Tatort. Es handele sich um einen Polizisten und einen Justizmitarbeiter. Erste Anzeichen deuteten auf eine Urheberschaft der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK hin.

Ayyildiz sagte, zusätzlich zu der Detonation vor dem Justizgebäude sei es zu einem Schusswechsel gekommen, bei dem zwei Terroristen getötet worden seien. Mindestens sechs Menschen seien verletzt worden. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, nach einem dritten Angreifer werde gesucht. Ayyildiz bestätigte das nicht.

Der Gouverneur sagte, die Polizei habe den zur Bombe umgebauten Wagen an einem Checkpoint vor dem Justizgebäude gestoppt. Die Terroristen seien daraufhin ausgestiegen und weggelaufen. Es sei zum Schusswechsel gekommen. Dabei hätten die Angreifer die Bombe gezündet. Die Terroristen hätten zwei Schnellfeuergewehre, eine Panzerfaust mit acht Granaten und acht Handgranaten mit sich geführt. Vize-Ministerpräsident Veysi Kaynak sagte, der Polizei sei es gelungen, ein «sehr großes Massaker» zu verhindern.

Der Angreifer auf die Silvesterparty in einem Club in Istanbul ist weiterhin nicht gefasst. Der Mann hatte kurz nach Anbruch des neuen Jahres 39 Menschen getötet. Die Verantwortung für diese Tat reklamierte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für sich.

Vize-Ministerpräsident Kaynak sagte im Sender A Haber über den Täter von Istanbul: «Er ist wahrscheinlich ein Uigure. Aber bezüglich seiner Staatsangehörigkeit will ich vorerst nichts sagen.» Die Türkei setzt sich seit langem für die Uiguren ein. Die muslimische Minderheit in der Unruheregion Xinjiang in Nordwestchina ist ein Turkvolk und fühlt sich von den Chinesen unterdrückt. China wirft Ankara vor, geflüchteten Uiguren türkische Reisepässe auszustellen.

Kaynak sagte: «Die Identität des Terroristen wurde von unseren Sicherheitskräften festgestellt. Es wurde auch ausgemacht, wo er sich aufhalten könnte. Unsere Sicherheitskräfte fahnden irgendwo in Silivri.» Silivri liegt westlich von Istanbul. Anadolu meldete, die Polizei habe in Silivri Uiguren festgenommen, die der Beihilfe verdächtigt würden. Kaynak schloss allerdings auch nicht aus, dass dem Täter die Flucht ins Ausland gelungen sein könnte.

Izmir ist die drittgrößte Stadt der Türkei. Von der Eskalation der Gewalt im Land seit Sommer 2015 ist sie bislang weitgehend verschont geblieben. Schwere Anschläge waren dort seitdem nicht verzeichnet worden. Alleine in den vergangenen vier Wochen kam es in der Türkei zu einer ganzen Reihe terroristischer Angriffe, die insgesamt mehr als 100 Menschen das Leben kosteten.

Am 10. Dezember sprengten sich Attentäter der PKK-Splittergruppe TAK in Istanbul nach einem Fußballspiel in die Luft (mindestens 45 Tote). Die TAK war auch verantwortlich für einen Anschlag im zentralanatolischen Kayseri eine Woche später (14 Tote). Am 19. Dezember wurde der russische Botschafter in Ankara erschossen. In der Silvesternacht kam es dann zu dem Terrorangriff in Istanbul.

In der Nacht zu Mittwoch hatte das Parlament in Ankara beschlossen, den seit Juli geltenden Ausnahmezustand bis zum 19. April zu verlängern. Als Begründung für ihren Antrag gab die Regierung unter anderem die anhaltenden terroristischen Angriffe im Land an.

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