Belfast
Belfast: pro-britische Demonstranten die Polizei mit Flaschen, Steinen und Golfbällen. Foto: Paul Faith

Belfast: pro-britische Demonstranten die Polizei mit Flaschen, Steinen und Golfbällen. Foto: Paul Faith

dpa

Belfast: pro-britische Demonstranten die Polizei mit Flaschen, Steinen und Golfbällen. Foto: Paul Faith

London/Belfast (dpa) - Die nordirische Politik bekommt den Streit um das Hissen der britischen Flagge auf dem Rathaus in Belfast nicht in den Griff.

In der Nacht zum Mittwoch kam es zum sechsten Mal in Folge zu Straßenkämpfen, bei denen britentreue Loyalisten die Polizei mit Brandbomben, Flaschen und Steinen bewarfen, wie diese mitteilte. Für Mittwochabend kündigten Loyalisten erneut Proteste an.

Am Morgen war zum ersten Mal seit Ausbruch des Flaggen-Konflikts Anfang Dezember der britische «Union Jack» über dem Rathaus von Belfast gehisst worden. Damit wurde der 31. Geburtstag von Prinz Williams Frau Kate, der Herzogin von Cambridge, gefeiert. Am Abend sollte sie wieder abgenommen werden.

Während die britische Flagge bis Anfang Dezember jeden Tag vom Rathausdach in Belfast wehte, wird sie der neuen Regelung zufolge nur noch an 18 Tagen im Jahr aufgezogen, beispielsweise zu Geburtstagen von Mitgliedern der Königsfamilie. Protestantische Loyalisten, die die Region Nordirland weiter als elementaren Teil Großbritanniens sehen wollen, sehen sich dadurch in ihrer Identität bedroht. Sie stehen gegen katholische Republikaner, die einen Anschluss an die Republik Irland befürworten.

Politisch steht dies jedoch derzeit nicht zur Debatte. Experten erwarten auch nicht, dass der nordirische Friedensprozess durch die Taten der meist jugendlichen Demonstranten beeinflusst wird. «Zum jetzigen Zeitpunkt bin ich nicht der Meinung, dass die Proteste ein Risiko für den Friedensprozess darstellen», sagte der nordirische Gesellschaftswissenschaftler Jonny Byrne in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. «Aber es ist wichtig sich bewusst zu machen, dass die Unruhen in loyalistischen Arbeitergegenden deutlich machen, dass Teile dieser Bewegungen und die unionistischen Parteien den Kontakt zueinander verloren haben.»

Seit dem Stadtratsbeschluss sind bei Auseinandersetzungen 66 Beamte verletzt und 104 Demonstranten festgenommen worden. Einem Bericht des Senders BBC zufolge haben die seit Wochen immer wieder auflammenden Unruhen mehr als 7 Millionen Pfund (8,6 Millionen Euro) Polizeikosten verursacht.

Die Entscheidung für die neue Flaggen-Regelung war Anfang Dezember mit den Stimmen der pro-irischen Sinn-Fein-Partei sowie von Abgeordneten gemäßigter Parteien getroffen worden. Hardliner der Loyalisten wollen sie nicht mittragen. Vertreter verschiedener pro-britischer Gruppen kündigten für Donnerstag ein Treffen im Regionalparlament Stormont an, um eine Lösung in dem Konflikt zu finden. Einige radikale Loyalisten erklärten jedoch, sich an den Gesprächen nicht zu beteiligen und die Proteste am Samstag in Irlands Hauptstadt Dublin fortsetzen zu wollen.

Der britische Industrieverband Confederation of British Industry (CBI) warnte, dass weitere Krawalle ernsthafte wirtschaftliche Konsequenzen haben könnten. «Wir wissen, dass einige Investoren wegen der Unruhen bereits das Interesse verloren haben», sagte CBI-Direktor Nigel Smyth.

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