Ein sehnlich erwarteter Hilfskonvoi erreicht das belagerte Madaja in Syrien. Den Helfern bietet sich ein erschreckendes Bild. Foto: ICRC/Pawel Krzysiek/dpa/Archiv
Ein sehnlich erwarteter Hilfskonvoi erreicht das belagerte Madaja in Syrien. Den Helfern bietet sich ein erschreckendes Bild. Foto: ICRC/Pawel Krzysiek/dpa/Archiv

Ein sehnlich erwarteter Hilfskonvoi erreicht das belagerte Madaja in Syrien. Den Helfern bietet sich ein erschreckendes Bild. Foto: ICRC/Pawel Krzysiek/dpa/Archiv

dpa

Ein sehnlich erwarteter Hilfskonvoi erreicht das belagerte Madaja in Syrien. Den Helfern bietet sich ein erschreckendes Bild. Foto: ICRC/Pawel Krzysiek/dpa/Archiv

Damaskus (dpa) - Nach Ankunft der lang ersehnten Hilfslieferung im belagerten Madaja hat sich das ganze Leid der Hungerkatastrophe offenbart.

«Es gibt keinen Vergleich zu dem, was wir in Madaja gesehen haben», berichtete ein Mitarbeiter des Flüchtlingshilfswerkes der Vereinten Nationen (UNHCR) in Damaskus. 400 Menschen sind nach UN-Angaben fast tot und müssen so schnell wie möglich aus der Stadt gebracht werden.

In Madaja selbst gebe es zwar Menschen, aber trotzdem kein wirkliches Leben, erzählte der UN-Mitarbeiter weiter. Der Preis für ein Kilogramm Reis sei auf bis zu 300 Dollar gestiegen. Kinder, Frauen und ältere Männer auf den Straßen sähen «blass, schwach und dünn» aus, erzählte Pawel Krzysiek, Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Andere Augenzeugen berichteten, dass sich Einige kaum mehr auf den Beinen halten konnten.

Insgesamt starben in dem seit einem halben Jahr von Regierungstruppen eingeschlossenen Ort seit Dezember der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) zufolge mindestens 28 Menschen wegen Mangelernährung - darunter sechs Kinder im Alter unter fünf Jahren. In Madaja befinden sich bis zu 40 000 Menschen. Zumindest einige durften die Stadt am Dienstag verlassen: Mindestens 300 Hungernde überquerten die Grenze der von Rebellen beherrschten Stadt, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte.

Am Montag hatte die lang erhoffte Hilfslieferung mit insgesamt 330 Tonnen Nahrung und Medikamenten und Decken Madaja erreicht und wurde in der Stadt verteilt. Darunter waren auch Arzneien für chronisch Kranke, Schwangere und Säuglinge. Unterschiedlichen Angaben zufolge soll die Lieferung 30 bis 40 Tage lang halten.

Der erste Hilfskonvoi könne nur ein Anfang sein, sagten deswegen UN-Diplomaten. Ein Sprecher verwies zudem darauf, dass die Situation in Madaja nicht einzigartig sei. 50 Orte in Syrien würden belagert - in diesen seien 400 000 Menschen gefangen.

In einer gemeinsamen Stellungnahme am Dienstag forderten mehrere Hilfsorganisationen - darunter CARE, Oxfam, Save the Children und World Vision - ein komplettes Ende der Blockade durch die syrischen Regierungstruppen. Eine einmalige Lieferung reiche nicht aus, um die Unterernährung wirksam zu bekämpfen.

Zeitgleich zu der Hilfe für Madaja war am Montag auch eine Hilfslieferung in den von Rebellen belagerten Orten Fua und Kefraja im Nordwesten Syriens eingetroffen. Diese Dörfer werden von Regierungstruppen gehalten. Die Lieferungen gehen auf eine von den Vereinten Nationen vermittelte Abmachung zwischen dem Regime und Rebellen zurück.

Das an der Seite des syrischen Machthabers Baschar al-Assad kämpfende Russland verteidigte derweil seine Bombardements in dem Bürgerkriegsland. Die Vorwürfe, russische Luftangriffe würden auch moderate Gegner von Machthaber Baschar al-Assad treffen, seien eine Lüge, sagte Kremlchef Wladimir Putin der «Bild»-Zeitung (Dienstag). «Die vermeintlichen Videobeweise für diese Behauptung sind entstanden, noch bevor die russischen Streitkräfte ihren Einsatz überhaupt begonnen hatten.» Dies könne seine Regierung beweisen.

Die russische Luftwaffe unterstützt seit Ende September die syrische Armee. Nach Putins Darstellung nehmen die Kampfjets dabei die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und mit ihr verbündete Gruppen unter Beschuss. Syrische Aktivisten und die USA bezweifeln dies. Mit Blick auf zahlreiche zivile Opfer in dem Bürgerkrieg räumte Putin jedoch ein, dass der syrische Präsident Assad viele Fehler im Laufe dieses Konfliktes gemacht habe.

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