Zerstörter Reisebus
Nach israelischen Angaben wurden bei der Bombenexplosion in einem Reisebus in Bulgarien mindestens sieben Menschen getötet. Foto: Stringer

Nach israelischen Angaben wurden bei der Bombenexplosion in einem Reisebus in Bulgarien mindestens sieben Menschen getötet. Foto: Stringer

Eine verletzte Frau wird von Helfern aus Israel versorgt. Sie wurde bei einem Anschlag auf einen Bus mit israelischen Touristen verletzt. Foto: Vassil Donev

37 Menschen wurden bei der Explosion verletzt. Behörden gehen von einem Selbstmordanschlag aus. Foto: Vassil Donev

Ende einer Reise: Sieben Menschen sind beim Anschlag auf einen Bus mit israelischen Touristen gestorben. Mehrere sind verletzt. Sie werden zurück nach Hause geholt. Foto: Vassil Donev

Zurück nach Hause: Nach dem Bombenanschlag treten israelische Touristen die Heimreise an. Foto: Vassil Donev

Die Fassungslosigkeit steht der jungen Frau ins Gesicht geschrieben. Sie wurde bei einem Bombenanschlag auf einen Bus mit israelischen Touristen verletzt. Foto: Vassil Donev

Die blutigen Anschläge in Bulgarien haben entsetzten und Zorn ausgelöst. Foto: Vassil Donev

dpa, Bild 1 von 7

Nach israelischen Angaben wurden bei der Bombenexplosion in einem Reisebus in Bulgarien mindestens sieben Menschen getötet. Foto: Stringer

Tel Aviv/Teheran (dpa) - Israel nimmt nach dem blutigen Selbstmordanschlag auf seine Landsleute in Bulgarien den Iran ins Visier.

Die Führung in Teheran und die mit ihr verbündete Schiiten-Organisation Hisbollah betrieben eine «weltweite Terror-Kampagne», sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Donnerstag in Jerusalem. An der Verantwortung Teherans für die Bluttat in der Schwarzmeerstadt Burgas bestehe «kein Zweifel», sagte auch der Minister für Innere Sicherheit, Izchak Aharonowitsch.

Man werde mit den Verantwortlichen «die Rechnung begleichen» und ihnen einen «hohen Preis» abverlangen, kündigte die israelische Regierung an. Israel will auch offiziell Beschwerde gegen Teheran beim UN-Sicherheitsrat einlegen. Bei dem Anschlag am Flughafen von Burgas waren sieben Menschen getötet und mehr als 30 verletzt worden.

Der Iran sei die «weltweite Nummer eins der Terror exportierenden Staaten», sagte Netanjahu. «Der gefährlichste Staat der Welt muss nicht auch noch die gefährlichste Waffe der Welt bekommen», meinte er in Anspielung auf Vorwürfe, die iranischen Führung baue an der Atombombe.

Der Iran bestritt jegliche Beteiligung an dem Anschlag. Man verurteile alle Anschläge auf unschuldige Zivilisten als unmenschlich, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Ramin Mehmanparast, dem Nachrichtenportal Al-Alam. Auch die Hisbollah im Libanon nannte die Vorwürfe aus Jerusalem in einer offiziellen Reaktion lächerlich.

Berichte bulgarischer Medien, wonach es sich bei dem Attentäter um einen 33-jährigen ehemaligen Guantánamo-Häftling mit schwedischem Pass gehandelt haben soll, wurden von den Behörden in Sofia und Stockholm am Abend dementiert.

Bei dem Anschlag seien insgesamt fünf Israelis, ein bulgarischer Busfahrer sowie der mutmaßliche Selbstmordattentäter getötet worden, sagte der israelische Außenminister Avigdor Lieberman. Nach seiner Darstellung hat Israel «zuverlässige Informationen» über die Drahtzieher der blutigen Tat. «Hisbollah steht hinter dem Anschlag, in enger Zusammenarbeit mit den iranischen Revolutionsgarden», sagte Lieberman dem Rundfunk. Beweise machte die Regierung bis Donnerstagnachmittag nicht öffentlich.

Die Mitglieder der israelischen Reisegruppe waren am Mittwoch kurz vor dem Selbstmordanschlag auf dem Flughafen des beliebten Touristenortes gelandet. Israelische Medien veröffentlichten am Donnerstag Aufnahmen von Sicherheitskameras, die den mutmaßlichen Attentäter zeigen. Der langhaarige Mann in Sportkleidung habe sich vor der Explosion etwa eine Stunde lang am Ort des Anschlags aufgehalten, berichtete die bulgarische Nachrichtenagentur Novinite. Seine Leiche habe schlimmste Verletzungen aufgewiesen. Er habe gefälschte US-Papiere bei sich gehabt.

Bei der Explosion wurden auch 37 Menschen verletzt, davon drei lebensgefährlich. Ein israelisches Militärflugzeug brachte mehr als 30 verletzte Israelis zurück in ihre Heimat.

Die Bundesregierung sprach den Angehörigen und Opfern des Anschlags ihre Anteilnahme aus. Außenminister Guido Westerwelle sagte in Berlin: «Wir drücken unser Mitgefühl für die Familien aus und trauern um die Opfer.» Die Bundesregierung werde alles dafür tun, dass sich die israelischen Partner hier, in Europa, sicher fühlen könnten. Das Attentat müsse aufgeklärt werden, sagte Westerwelle weiter. Die EU-Kommission bot Bulgarien Unterstützung bei der Aufklärung des Anschlags an.

Der jüdische Zentralratspräsident Dieter Graumann sagte, der Anschlag mache deutlich, wie bedroht Israel sei. «Davor dürfen wir auch in Deutschland nicht die Augen verschließen», mahnte er. Es sei unerträglich, dass Israelis sich weder im eigenen Land noch im Ausland sicher fühlen könnten.

US-Präsident Barack Obama sprach dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu am Telefon sein Beileid aus. Zugleich sagte Regierungssprecher Jay Carney, Obama habe den «abscheulichen Angriff, der unschuldige Israelis und Bulgaren getötet und verletzt hat», scharf verurteilt. Bei der Aufklärung des Attentats würden die USA eng mit Bulgarien und Israel zusammenarbeiten.Die Nato verurteilte den Terroranschlag ebenfalls. Zuvor hatte bereits die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton gesagt: «Ich bin zutiefst schockiert über die Szenen am Flughafen von Burgas (...).»

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