Beerdigung im Gazastreifen
Palästinensische Trauernde tragen den Sarg der 23-jährigen schwangeren Mutter Enas Khamash und ihrer Tochter Bayan. Sie starben bei einem israelischen Luftangriff. Foto: Adel Hana/AP

Palästinensische Trauernde tragen den Sarg der 23-jährigen schwangeren Mutter Enas Khamash und ihrer Tochter Bayan. Sie starben bei einem israelischen Luftangriff. Foto: Adel Hana/AP

Palästinenser untersuchen ein Haus, das durch einen israelischen Luftangriff beschädigt wurde. Foto: Khalil Hamra/AP

Palästinenser untersuchen ein Haus in Dair al-Balah, das durch einen israelischen Luftangriff beschädigt wurde. Foto: Ashraf Amra

Protest an der Grenze zu Israel: Die Palästinenser fordern ein Ende der Gaza-Blockade und ein Recht auf Rückkehr in das israelische Staatsgebiet. Foto: Wissam Nassar/Archiv

dpa, Bild 1 von 4

Palästinensische Trauernde tragen den Sarg der 23-jährigen schwangeren Mutter Enas Khamash und ihrer Tochter Bayan. Sie starben bei einem israelischen Luftangriff. Foto: Adel Hana/AP

Gaza/Tel Aviv (dpa) - Die Lage zwischen militanten Palästinensern im Gazastreifen und Israel bleibt angespannt. Nach einem weiteren Raketenbeschuss flog die israelische Luftwaffe am Donnerstagabend wieder Angriffe in dem Küstengebiet.

Die Luftwaffe hatte schon in der Nacht zuvor Ziele der radikalislamischen Hamas angegriffen. Dabei wurden nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums eine schwangere Frau und ihre 18 Monate alte Tochter sowie ein Mitglied des militanten Arms der Hamas getötet.

27 weitere Palästinenser wurden demnach insgesamt verletzt, davon 18 bei den Angriffen auf ein Gebäude in Gaza. In Israel wurden nach Angaben der Armee durch Beschuss aus dem Gazastreifen sieben Menschen verletzt.

Noch am Donnerstagmittag hatten militante Palästinenser die Gewalt für beendet erklärt. «Diese Eskalation ist aufgrund von internationaler und regionaler Vermittlung vorbei», teilte die Vereinigung für den bewaffneten Widerstand mit. Zu der Gruppe gehören unter anderem die radikalislamische Hamas und die militante Palästinenserorganisation Islamische Dschihad. Der UN-Nahostgesandte Nikolay Mladenov hatte zuvor alle Seiten zur Zurückhaltung aufgefordert und vor einer weiteren Zuspitzung der Situation gewarnt.

Trotzdem schlug am Donnerstagnachmittag eine Rakete aus dem Gazastreifen nördlich der Stadt Beerscheva ein, wie die Polizei bestätigte. Nach Medienberichten war dies das erste Mal seit dem Gaza-Krieg 2014. Beerscheva liegt rund 40 Kilometer von dem Küstengebiet entfernt.

Die israelische Armee zählte bis Donnerstagmorgen rund 150 Raketen, die aus dem Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert wurden. Das israelische Sicherheitskabinett befahl der Armee, «weiterhin hart gegen die terroristischen Elemente vorzugehen», wie ein Sprecher von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am späten Abend mitteilte.

Mehr als 30 palästinensische Raketen wurden abgefangen, der Rest schlug meist auf freiem Gelände ein, wie die Armee mitteilte. Sie attackierte nach eigenen Angaben daraufhin mehr als 150 militärische Ziele im Gazastreifen - unter anderem Trainingscamps, Lagerstätten und eine Waffenfabrik.

«Wir haben (...) nur militärische Ziele angegriffen, die eindeutig von der Hamas genutzt wurden», sagte Armeesprecher Jonathan Conricus. «Wir sehen, dass die Hamas diese letzte Runde der Gewalt begonnen hat.» Die Truppen im Süden des Landes würden verstärkt.

Das Auswärtige Amt zeigte sich besorgt über die jüngste Konfrontation. «Die alarmierende Eskalation der Gewalt vergangene Nacht, bei der mehrere Menschen getötet und zahlreiche verletzt wurden, gibt uns Anlass zu größter Sorge», sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND, Freitag). «Den massiven Raketen- und Mörserbeschuss auf israelische Städte und Dörfer aus Gaza heraus verurteilen wir auf das Schärfste.»

Frankreich verurteilte den Abschuss von Raketen auf Israel ebenfalls und forderte, «dass die Waffenruhe von allen Parteien respektiert wird, um neue zivile Opfer zu vermeiden».

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bat um internationale Unterstützung, um die israelischen Angriffe zu stoppen.

Israelische Medien berichteten von Verhandlungen über eine langfristige Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas unter ägyptischer Vermittlung. Die Hamas hatte am Montag Gespräche mit Ägypten über eine Waffenruhe bestätigt. Von Israel gab es dafür keine offizielle Bestätigung.

Seit Ende März sind bei Protesten und Zusammenstößen nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza mehr als 160 Palästinenser von israelischen Soldaten getötet worden. Ein israelischer Soldat wurde erschossen.

Die Palästinenser fordern ein Ende der Gaza-Blockade und ein Recht auf Rückkehr in ihre frühere Heimat oder die ihrer Eltern und Großeltern. Diese Dörfer oder Städte gehören heute zum israelischen Staatsgebiet. Sie beziehen sich dabei auf Flucht und Vertreibung Hunderttausender Menschen im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948. Israel lehnt die Forderungen ab.

Die radikalislamische Hamas wird von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Sie hat sich die Zerstörung Israels auf die Fahne geschrieben.

Kolumbien erkannte indes Palästina nach Angaben der palästinensischen Botschaft in Bogotá als unabhängigen Staat an.

Israel forderte die Rücknahme der Entscheidung. «Dies belohnt die Palästinensische Autonomiebehörde dafür, Terrorismus zu unterstützen, den Holocaust zu verleugnen und Friedensgespräche zu verweigern», kritisierte der stellvertretende Minister für Diplomatie, Michael Oren, auf Twitter.

Mittlerweile haben mehr als 130 Länder Palästina anerkannt. Länder wie Deutschland, Israel und die USA, vertreten dagegen die Linie, ein souveräner Palästinenserstaat könne erst nach dem Abschluss von Friedensverhandlungen mit Israel ausgerufen und anerkannt werden.

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