Zehntausende Demonstranten legen Innenstadt lahm. Experten warnen vor einer Eskalation.

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Die Regierungsgegner fordern den Rücktritt von Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra. Sie werfen ihr und ihrer Familie Korruption vor.

Die Regierungsgegner fordern den Rücktritt von Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra. Sie werfen ihr und ihrer Familie Korruption vor.

dpa

Die Regierungsgegner fordern den Rücktritt von Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra. Sie werfen ihr und ihrer Familie Korruption vor.

Bangkok. Der oftmals dröge thailändische Protestanführer Suthep Thaugsuban läuft zur Hochform auf: Er hat das Mikrofon in der Hand und nimmt vor Tausenden Anhängern mit dynamischen Schritten die ganze Bühne ein. Der untersetzte Mittsechziger reißt die Faust hoch, er boxt Löcher in die Luft. Er starrt theatralisch in den Himmel, dann beugt er sich demütig zu den Anhängern hinab. Sie liegen ihm zu Füßen. „Hau ab Yingluck!“, brüllt Suthep an die Adresse der Regierungschefin, und seine Stimme überschlägt sich. Die Menge grölt – ein Lehrstück in Demagogie.

„Wir gehen nach Hause, wenn wir gewonnen haben.“

Regierungskritischer Demonstrant

Mit lautstarken Protestparolen haben Zehntausende Regierungsgegner die thailändische Hauptstadt Bangkok seit gestern in weiten Teilen lahmgelegt. Sie besetzten Verkehrsknotenpunkte und marschierten in Großformation über wichtige Einfallsstraßen, so dass es im Geschäftsviertel kein Durchkommen mehr gab.

Für die Demonstranten gibt es an diesem Tag nur eins: den Sieg. „Wir gehen nach Hause, wenn wir gewonnen haben“, sagt ein 23-jähriger Student. Die Demo-Atmosphäre ist entspannt. „Karneval-Atmosphäre“ stellt der Kommentator Pravit Rojanaphruk fest. Wie ein politischer Kampf sieht das nicht aus, aber der Eindruck trügt.

Sutheps Taktik („Es gibt keine Kompromisse“) ist brandgefährlich, sind sich Analysten einig. Er will die bedingungslose Kapitulation der Shinawatra-Familie von Regierungschefin Yingluck Shinawatra. Er wirft dem Clan vor, sich zu bereichern und Thailand in den Ruin zu treiben.

Experten warnen vor einem Militärputsch

„Wir kämpfen friedlich, mit leeren Händen, mit Liebe für unser Vaterland“, beteuert Oppositionsführer Suthep zwar. Ob der Protestanführer aber die Kräfte, die er entfesselt hat – auf eigener und auf Gegnerseite –, unter Kontrolle halten kann oder überhaupt will, ist fraglich.

„Suthep und seine Leute provozieren bewusst Chaos“, sagt Marc Saxer, Direktor der Friedrich-Ebert-Stiftung in Thailand. „Die Proteste können darauf abzielen, einen Militärputsch oder einen juristischen Putsch zu provozieren“, meint die Organisation für Konfliktlösung, „International Crisis Group“. Mit einem juristischen Putsch sind Vorstöße gemeint, die Arbeit der Regierung gerichtlich anzufechten – das hätte die Auflösung der Regierungspartei zur Folge.

Es gibt aber noch eine andere Befürchtung: Ein kleiner Funke, eine Rempelei, eine Verbalattacke, könnten gewalttätige Konfrontationen auslösen, fürchten Analysten.

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