Silvio Berlusconi soll sich nach Medienberichten einen Harem halten. Doch der Regierungschef behauptet das Gegenteil.

Silvio Berlusconi mit seinen angeblichen Affären Karima El Marough (Ruby, l.) und Noemi Letizia.
Silvio Berlusconi mit seinen angeblichen Affären Karima El Marough (Ruby, l.) und Noemi Letizia.

Silvio Berlusconi mit seinen angeblichen Affären Karima El Marough (Ruby, l.) und Noemi Letizia.

Silvio Berlusconi mit seinen angeblichen Affären Karima El Marough (Ruby, l.) und Noemi Letizia.

Silvio Berlusconi mit seinen angeblichen Affären Karima El Marough (Ruby, l.) und Noemi Letizia.

dpa, Bild 1 von 3

Silvio Berlusconi mit seinen angeblichen Affären Karima El Marough (Ruby, l.) und Noemi Letizia.

Rom. Im In- und Ausland hat man sich fast daran gewöhnt: Die Nachricht, Silvio Berlusconi befinde sich aufs Neue im Zentrum eines Sex-Skandals, regt niemanden mehr so richtig auf. Was allerdings bisher aus den Ermittlungsakten der Mailänder Staatsanwaltschaft an die Öffentlichkeit drang, sorgte dann doch für Wirbel.

Einen ganzen Harem junger Frauen soll der italienische Regierungschef in seinen Mailänder Wohnungen gehalten haben. Für Geld, Schmuck und Wohnung seien die „ragazze“ („Mädels“) – zu heißen Nächten in der Villa des Premier eingeladen worden.

Medien veröffentlichen Mitschnitte von Telefongesprächen

Vor allem linksorientierte Medien schwelgen in Auszügen mitgeschnittener Telefongespräche. Von „Bunga-Bunga“ ist wieder die Rede, von alten Männern und jungen Frauen. Während die Verdächtigten aufs Neue beteuern, „Bunga-Bunga“ sei nur ein Scherz, vermuteten andere wüste Praktiken.

Mitschnitte wie der eines Telefonats zwischen einer Berlusconi-Parlamentarierin mit dem Chef von Berlusconis TV-Sender Rete 4, Emilio Fede, taten ihr Übriges. „Du hast zwei Freundinnen dabei? Also Bunga-Bunga, Mist“, wird Maria Rosaria Rossi der Regierungspartei PdL (Volk der Freiheit) zitiert.

Berlusconi beteuert, noch nie für Sex bezahlt zu haben

Berlusconi will sich das nicht gefallen lassen. „Machenschaften“, war seine erste Reaktion. In einer Videobotschaft ging er noch weiter in die Offensive: Er habe seit der Trennung von seiner Frau Veronica Lario eine feste Freundin und noch niemals Sex gekauft, protestierte der 74-Jährige am Dienstag.

Solidarität Berlusconis Minister beteuerten ihre Solidarität mit dem Regierungschef. Staatschef Giorgio Napolitano fordert Aufklärung, die Opposition hingegen lautstark den Rücktritt.

Stillstand Italien droht wegen der privaten Affären des Ministerpräsidenten in diesem Jahr der politische Stillstand.

Seitdem rätselt Italien, wer die Frau an der Seite des Premier sein könnte. Berlusconi hüllt sich in Schweigen. Und viele haben den öffentlich gemachten Scheidungsgrund seiner Ex-Frau noch in den Ohren: Sie könne nicht mit jemand leben, der sich mit Minderjährigen treffe.

Im Zentrum der neuen, alten Ermittlungen der Staatsanwälte steht tatsächlich ein blutjunges Partygirl: Die heute 18-jährige Marokkanerin „Ruby Rubacuori“ („Ruby Herzensdiebe“), die bürgerlich Karima El Marough heißt, soll schon mit 17 zum angeblichen Harem Berlusconis gehört haben. Sie habe im vergangenen Jahr zahlreiche Nächte auf dem Luxus-Anwesen des Cavaliere verbracht, hieß es.

Die Brünette mit einer Vergangenheit auf der schiefen Bahn hatte schon 2010 für Aufregung gesorgt. Sie war im Sommer wegen Diebstahls festgenommen worden. Im Oktober platzte die Bombe, dass Berlusconi sie mit einem Anruf höchstpersönlich vor dem Gefängnis bewahrt hatte.

Der Cavaliere soll damals der Polizei empfohlen haben, die Marokkanerin lieber einer Regionalabgeordneten seiner Regierungspartei anzuvertrauen, statt sie festzusetzen. Heute steht eben diese Abgeordnete Nicole Minetti unter dem Verdacht, den Mailänder „Harem“ für Berlusconi kontrolliert zu haben.

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