Die Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. hat die Welt überrascht. Ein Rücktritt ist zwar extrem selten, er ist aber ebenso wie die Wahl des Nachfolgers bis ins Detail geregelt.

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Papst Benedikt XVI. bei seiner Amtseinführung auf dem Petersplatz

Papst Benedikt XVI. bei seiner Amtseinführung auf dem Petersplatz

A1809 epa ansa Maurizio Brambatt

Papst Benedikt XVI. bei seiner Amtseinführung auf dem Petersplatz

Was genau ist die Funktion des Papstes?

Der Papst (griechisch: pappas - Vater) ist das Oberhaupt der Römisch-Katholischen Kirche mit weltweit mehr als einer Milliarde Gläubigen. Seit dem 12. Jahrhundert spricht die Kirche vom Stellvertreter Jesu Christi auf Erden. Der Papst ist Bischof von Rom und Oberhaupt des Vatikans. Der Glaubenslehre zufolge ist der Papst der Nachfolger des Apostels Petrus. Diesen hatte Jesus von Nazareth nach dem Matthäus-Evangelium als ersten Kirchenführer eingesetzt.

Ist ein Rücktritt überhaupt möglich?

Ein Papst wird auf Lebenszeit gewählt, doch ist nach dem Kirchenrecht auch ein Rücktritt möglich. Hierfür muss das Kirchenoberhaupt keine Gründe nennen, niemand muss den Rücktritt annehmen. Allerdings muss er freiwillig erfolgen. Das regelt das von Johannes Paul II. reformierte Kanonische Recht. Unter Kirchenexperten herrscht Einigkeit, dass sich der Papst im Fall eines Rücktritts sofort und vollständig aus allen Ämtern und aus dem öffentlichen Leben der Kirche zurückziehen müsste.

Was bedeutet Sedisvakanz?

Mit dem Ende des Pontifikats von Papst Benedikt XVI. beginnt am 28. Februar um 20 Uhr die Zeit der Sedisvakanz. Das ist die Zeit, in der das Amt des Papstes nicht besetzt ist - normalerweise vom Tod des Kirchenoberhaupts bis zur Wahl seines Nachfolgers. Der Begriff kommt aus dem Lateinischen und heißt wörtlich übersetzt «leerer Stuhl». Während der Sedisvakanz werden im Vatikanstaat spezielle Münzen und Medaillen geprägt.

Wie wird der neue Papst gewählt?

Die Wahl eines neuen Papstes erfolgt durch das Konklave, die Versammlung der wahlberechtigten Kardinäle. Sie müssen 15 bis 20 Tage nach dem Beginn der Sedisvakanz zusammentreten. Wahlberechtigt sind alle Kardinäle, die ihr 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Deren Zahl soll in der Regel auf 120 begrenzt bleiben. Die Wahl findet in der Sixtinischen Kapelle statt. Der künftige Papst muss zwei Drittel aller Stimmen auf sich vereinigen. Erst nach dem 33. oder 34. Wahlgang ist eine Stichwahl möglich.

Welche deutschen Kardinäle dürfen mitwählen?

Wahlberechtigt, weil noch nicht 80 Jahre alt, sind voraussichtlich 117 Kardinäle, unter ihnen sechs Deutsche: Joachim Meisner, Karl Lehmann, Paul Josef Cordes, Reinhard Marx, Rainer Maria Woelki und Walter Kasper. Stichtag für die Altersgrenze ist der Tag vor Beginn der Sedisvakanz, nach der Rücktrittsankündigung Benedikts also der 28. Februar.

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