Handelskammer bietet Seminar «Niederlande-Knigge»
Wie in den Niederlanden üblich, wird auch in Enschede der Bürgermeister von der nationalen Regierung ernannt.

Wie in den Niederlanden üblich, wird auch in Enschede der Bürgermeister von der nationalen Regierung ernannt.

Friso Gentsch

Wie in den Niederlanden üblich, wird auch in Enschede der Bürgermeister von der nationalen Regierung ernannt.

Enschede. Den Schlüssel für das Rathaus der niederländischen Stadt Enschede könnte bald ein Deutscher in der Hand halten. Seit Januar ist die Grenzstadt bei Gronau auf der Suche nach einem neuen Bürgermeister. Eine regionale Gallionsfigur sollte er sein, mit Visionen, hohem Qualitätsanspruch und Charisma – und gerne auch ein Deutscher. Dass mögliche Kandidaten die Sprache des Nachbarlandes sprechen sollten, wird im Anforderungsprofil für das Bürgermeisteramt besonders betont. Jetzt ist die Bewerbungsfrist abgelaufen.

„Wir haben insgesamt 23 Bewerber, das ist ziemlich viel für eine Stadt wie Enschede“, freut sich Stadtsprecher Jeroen Heuvel. Vor Ostern hatte sich nur ein Kandidat gemeldet, nach den Feiertagen waren es 22 mehr.

In den Niederlanden wird ein Bürgermeister nicht direkt von den Bürgern gewählt, sondern von der Regierung ernannt. Die Kandidaten werden zunächst vom Kommissar des Königs und einer sogenannten Vertrauenskommission geprüft und dann vorgeschlagen. Die Anwärter auf den Posten in Enschede sind zwischen 42 und 62 Jahre alt. Fünf sind weiblich, sechs haben keinen politischen Hintergrund. Ob auch ein Deutscher darunter ist, kann Jeroen Heuvel noch nicht verraten. In diesem Fall müsste der Kandidat allerdings neben einem deutschen auch einen niederländischen Pass haben.

65 Prozent der Enscheder wollen zweisprachigen Bürgermeister

Dass der neue Bürgermeister Deutsch spricht, ist nicht zuletzt ein Wunsch der Enscheder. In einer Befragung legten 65 Prozent Wert auf die Zweisprachigkeit. Nur 48 Prozent möchten dagegen, dass das Stadtoberhaupt aus der Region kommt. „Den Bürgern ist nicht so wichtig, ob der Bürgermeister einer von ihnen ist, das ist schon ungewöhnlich“, erklärt Heuvel. Die meisten Enscheder sprechen gut Deutsch. Der bisherige Bürgermeister Peter den Oudsten, der zum Jahreswechsel Bürgermeister von Groningen geworden war, habe die Sprache in den ersten Monaten seines Amtes zügig gelernt.

„Die Deutschen sprechen aber auch ziemlich gut Holländisch, auch die Behörden“, lobt Heuvel, der von den Händlern auf dem Markt auch oft auf Deutsch angesprochen wird. In der University of Twente studieren viele Deutsche. Langsam weiche die Grenze zwischen den Nachbarländern auf. „Das merkt man auch im wirtschaftlichen und gesundheitlichen Bereich.“ Dennoch wolle man die Regionen noch weiter vernetzen. Um sich im deutsch-niederländischen Kommunalverband, der Euregio, zu behaupten, sollte der Bewerber auch über wirtschaftliche Kontakte verfügen.

Nach einer ersten Auswahl nach Steuer- und Sicherheitsaspekten schlagen die Kommissarin des Königs Ank Bijleveld und die Vertrauenskommission dem Stadtrat einen Kandidaten vor. Daraufhin empfiehlt der Rat in Absprache mit dem Innenminister einen Kandidaten, der meist auch ernannt wird. Der Auserwählte könnte das Amt dann ab September oder Oktober vom derzeitigen kommissarischen Bürgermeister übernehmen. Kandidaten aus Deutschland müssten dann die Umzugskisten packen – denn auch ein deutscher Bürgermeister sollte in Enschede wohnen.

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