Der Handel mit den USA hilft der Staatsführung bei der Stabilisierung der eigenen Macht.

Kim Jong Un
Erwartet wird, dass Kim Jong Un die Militärausgaben moderat zurückfährt, um Lebensmittel zu kaufen.

Erwartet wird, dass Kim Jong Un die Militärausgaben moderat zurückfährt, um Lebensmittel zu kaufen.

dpa

Erwartet wird, dass Kim Jong Un die Militärausgaben moderat zurückfährt, um Lebensmittel zu kaufen.

Düsseldorf/Pjöngjang. Der Diktator ist tot, lang lebe der Diktator. Im Dezember starb Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il, jetzt sorgt sein Sohn und Nachfolger Kim Jong Un erstmals international für Schlagzeilen.

Der Handel mit den USA – Aussetzung des Atomprogramms im Tausch für Nahrungsmittel – nährt auch Hoffnungen auf Wandel im letzten stalinistischen Land der Welt.

Der Diktatoren-Sohn ist jung und soll in der Schweiz studiert haben

Sie gründen auch darauf, dass der neue Staatsführer jung ist (um die 30) und in der Schweiz studiert haben soll. Damit wäre er einer von wenigen Nordkoreanern, die wissen, wie es diesseits der Grenze aussieht.

Jenseits davon weiß man nichts. Es gibt kein Internet, kein ausländisches Fernsehen, und die Touristen, die als Devisenquelle hereingelassen werden, werden systematisch abgeschirmt. Kein Land ist so isoliert wie Nordkorea.

Und kaum eines ist so arm: Nur mit Müh’ und Not hat der Staat sein Volk durch den Winter gebracht. Die Landwirtschaft ist unterentwickelt und produziert nicht genug. Sechs Millionen von 24 Millionen Nordkoreanern seien von Hunger bedroht, warnte die UN vor dem Winter.

Nordkorea (Foto: Propaganda-Denkmal in Pjöngjang) hat zugesagt, Atomtests und die Anreicherung von Uran auszusetzen. Inspekteure der Atomenergiebehörde IAEA sollen den Stopp der Anreicherung vor Ort prüfen.

Mit Erleichterung haben die Nachbarländer Nordkoreas die Zugeständnisse der neuen Führung in Pjöngjang im Atomstreit aufgenommen. Nach den USA äußerten auch Südkorea, China, Japan und Russland gestern die Erwartung, dass ihre Verhandlungen mit Nordkorea über den Abbau seines Atomwaffenprogramms wiederaufgenommen werden könnten. In Berlin erklärte das Auswärtige Amt, Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sehe „in der Ankündigung Nordkoreas, Atomtests und Urananreicherung aussetzen zu wollen, erste Anzeichen einer hoffnungsvollen Bewegung“. Nordkorea werde ermutigt, der Ankündigung Taten folgen zu lassen.

Zwar gibt es bisher keine Berichte über verhungerte Menschen – die Lebensmittelknappheit bleibt aber größtes Problem. Auch Energie ist knapp: Viele Gebäude sind trotz grimmiger Kälte ungeheizt. Privat-Autos sind außerhalb der Hauptstadt kaum zu sehen, Straßenbeleuchtung ist rar.

Trotzdem waren die Tränen der Bevölkerung über den Tod von Kim Jong Il echt: Die meisten Nordkoreaner glauben, im besten Staat der Erde zu leben. Vergleichsmöglichkeiten haben sie nicht.

Beobachter aus dem Westen sehen keine Anzeichen für eine Öffnung

In dieser Situation kommt der Handel mit dem Erzfeind USA zustande. Zeichen für einen koreanischen Frühling? Ist Kim Jong Un ein aufgeklärter Potentat, der sein System in der Not Richtung Öffnung steuert?

Beobachter aus dem Westen, die regelmäßig Nordkorea besuchen, erkennen keine Anzeichen dafür. Erwartet wird, dass Kim Jong Un die Militärausgaben moderat zurückfährt, um Lebensmittel zu kaufen. Hunger ist die einzige Gefahr für das sonst weitgehend stabile System.

Doch die Kim-Dynastie, die jetzt in dritter Generation an der Macht ist, hängt auch vom Wohlwollen des Militärs ab. Als unwahrscheinlich gilt, dass Kim Jong Un diese Symbiose kappen wird. Zu viele Hoffnungen auf eine Öffnung sollte sich niemand machen.

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