Vor der Volksabstimmung am 20. Januar sind die Fronten verhärtet. Das Land ist eines der letzten in Europa ohne Freiwilligenarmee.

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Auf Plakaten wird hier für eine Berufsarmee geworben.

Auf Plakaten wird hier für eine Berufsarmee geworben.

Przybilla

Auf Plakaten wird hier für eine Berufsarmee geworben.

Wien. Wehrpflicht oder Berufsheer? Vor dieser Frage steht nun auch Österreich, das als eines der letzten EU-Länder noch nicht auf eine Freiwilligen-Armee umgestellt hat. Ob es dazu kommt, entscheiden die Österreicher am 20. Januar per Volksabstimmung. Seit Wochen tobt eine hitzige öffentliche Diskussion.

Dass das Volk entscheiden darf, liegt nicht zuletzt an Unstimmigkeiten innerhalb der Regierungskoalition: Die sozialdemokratische SPÖ – lange Verfechterin der Wehrpflicht – kämpft nun für eine Freiwilligen-Armee, die konservative ÖVP will die Wehrpflicht beibehalten.

Die Befürworter einer Berufsarmee führen vor allem Kosten- und Effizienzgründe an. „Bei Lawinenunglücken braucht man gut ausgebildete Profis und keine Grundwehrdiener“, sagte Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) in einem Interview mit der „Tiroler Tageszeitung“. ÖVP-Chef Michael Spindelegger widerspricht: Wehrpflicht und Zivildienst müssten als „Schule der Nation“ bestehenbleiben.

Das Ergebnis der Befragung ist noch völlig offen

Für welches Modell sich die Österreicher in knapp zwei Wochen entscheiden, ist noch völlig offen. Auf großen Plakaten, in Zeitungsanzeigen und Werbespots trommeln beide Gruppen ununterbrochen für ihre Sache. So manchen Wahlberechtigten wird das schon jetzt zu viel.

„Viele dieser Debatten werden auf dem Rücken jener ausgetragen, die wirklich Hilfe benötigen“, findet etwa Helmuth Mühlmann aus Jenbach bei Innsbruck, der 1968 seinen Wehrdienst ableistete. Die politische Diskussion empfindet er als scheinheilig: „Viele werden sich noch erinnern, dass Zivildiener als Drückeberger verteufelt wurden.“

In Deutschland erfolgte die Umstellung auf ein Berufsheer vor eineinhalb Jahren. Mit dem Aussetzen der Wehrpflicht gab Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) zugleich das Ziel aus, dauerhaft 5000 bis 15 000 Bundeswehr-Freiwillige zu finden. Mit aktuell 11 150 Freiwilligen wurde dieses Ziel zwar erreicht. Probleme bereitet der Bundeswehr aber eine hohe Abbrecher-Quote: Fast ein Drittel aller freiwilligen Rekruten verlässt nach sechsmonatiger Probezeit die Truppe.

Der Bundesfreiwilligendienst, der beispielsweise in Altersheimen oder bei Naturschutzverbänden geleistet wird, ist dagegen deutlich beliebter. Er ist aber auch für Menschen aller Altersstufen offen.

Laut Bundesfamilienministerium konnten 2012 nahezu alle 35 000 Plätze durchgehend belegt werden – obwohl die Freiwilligen mit maximal 348 Euro deutlich weniger verdienen als ihre Kollegen bei der Bundeswehr (bis zu 1146 Euro).

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