Die Lage der inhaftierten Politikerin spitzt sich zu. Die ukrainische Regierung steht in der Kritik.

Timoschenko
Die Lage von Timoschenko spitzt sich zu.

Die Lage von Timoschenko spitzt sich zu.

dpa

Die Lage von Timoschenko spitzt sich zu.

Kiew. Sergei Wlasenko versteht sein Handwerk. Der Anwalt von Julia Timoschenko baut sich vor den Gefängnismauern im ost-ukrainischen Charkow auf und hält einen Brief seiner Mandantin in die Kameras.

Darin klagt die inhaftierte Oppositionsführerin, sie sei bewusstlos geprügelt und mit Gewalt in eine Klinik verfrachtet worden. Die 51-Jährige, die an Rückenschmerzen leidet, tritt aus Protest gegen die Misshandlungen in den Hungerstreik.

Anwalt Wlasenkos Handwerk ist in diesen Monaten nicht der juristische Beistand, sondern die Öffentlichkeitsarbeit. Die Bilder aus Charkow machen Eindruck in Europa und der Welt.

Am Mittwoch appellieren Regierungen und internationale Organisationen von Moskau über Berlin bis nach Washington an die Behörden in Kiew, künftig „human“ mit der Gegenspielerin von Präsident Viktor Janukowitsch umzugehen.

Die Justiz streitet ab, die Politikerin geschlagen zu haben

Was seit dem vergangenen Freitag wirklich im Straflager 54 in Charkow geschehen ist, wissen nur Timoschenko und ihre Bewacher. Unabhängige Zeugen gibt es nicht. Die Justizbehörden haben eingestanden, die prowestliche Oppositionspolitikerin „mit Gewalt“ ins Krankenhaus transportiert zu haben.

Geschlagen habe Timoschenko jedoch niemand. Die Zwangsverlegung sei nach den ukrainischen Gesetzen rechtmäßig gewesen, betont ein Sprecher. Angemessen war sie angesichts einer Patientin mit starken Schmerzen nicht. Die EU spricht von Rachejustiz.

Unstrittig ist allerdings auch, dass sich Anwalt Wlasenko gezielt des Stilmittels der Übertreibung bedient. Da die Justiz in der Ukraine aus dem Präsidentenpalast heraus gelenkt wird, will er die Öffentlichkeit mobilisieren. Und so war von einer winzigen vereisten Frostzelle die Rede und von Giftanschlägen. Beobachter wie die Ärzte der Berliner Klinik Charité, die Timoschenko vor Ort untersucht hatten, relativierten die Horrornachrichten.

Deutsche Ärzte wollen ihre Diagnose bald veröffentlichen

Charité-Chefarzt Karl Max Einhäupl hat sich zuletzt wiederholt dagegen gewehrt, dass ihm Diagnosen im Fall Timoschenko in den Mund gelegt würden. Sein Gutachten will er „bald veröffentlichen“.

Die ukrainischen Behörden baten die deutschen Ärzte am Mittwoch, Timoschenko in Charkow zu behandeln – in jenem Krankenhaus, in das sie die Patientin am Freitag mit Gewalt verlegen hatten.

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