Benedikt XVI. galt von Anfang an als Papst des Übergangs. Er schob keine Reformen an. Wichtig war ihm die Einheit der Kirche.

porträt
Das Bild zeigt den Theologieprofessor Joseph Ratzinger in Regensburg im März 1977. Er ist damals 49 Jahre alt.

Das Bild zeigt den Theologieprofessor Joseph Ratzinger in Regensburg im März 1977. Er ist damals 49 Jahre alt.

Benedikt (re.) und sein Bruder Georg 2007. Georg ist drei Jahre älter.

Benedikt (re.) und sein Bruder Georg 2007. Georg ist drei Jahre älter.

Die erste Auslandsreise führt Benedikt im August 2005 zum Weltjugendtag nach Köln, wo er begeistert empfangen wird.

Ratzinger am 19. April 2005 kurz nach seiner Wahl zum Papst auf dem Balkon des Petersdoms. Er ist zu diesem Zeitpunkt 78.

dpa, Bild 1 von 5

Das Bild zeigt den Theologieprofessor Joseph Ratzinger in Regensburg im März 1977. Er ist damals 49 Jahre alt.

Rom. Eine richtungsweisende „Ära Benedikt“ ist es nicht geworden. Dafür war die Zeit des Joseph Ratzinger auf dem Stuhl Petri doch zu kurz und ein klarer Reformwille nicht zu sehen. Knapp acht Jahre regierte der Deutsche als Nachfolger des populären Johannes Paul II. die katholische Weltkirche.

Joseph Ratzinger war 25 Jahre lang zweitmächtigster Mann im Vatikan

Die Amtszeit von Benedikt XVI. war ein Wechselbad der Gefühle: In den römischen Nieselregen mischte sich am 19. April 2005 weißer Rauch aus einem vatikanischen Schornstein. Auf den Balkon des Petersdoms trat der neue Papst, der fast ein Vierteljahrhundert lang der mächtigste Mann hinter seinem Vorgänger, dem Polen Karol Wojtyla war. Die „Bild“ titelte stolz: „Wir sind Papst.“ Bei seiner ersten Reise zum Weltjugendtag in Köln wurde Benedikt im August 2005 begeistert empfangen.

Jahre später waren die Gefühle gemischt. Jener bayrische Theologieprofessor, der gar nicht Papst werden wollte, hatte mit seiner freundlichen und zurückhaltenden Art zunächst die Masse der Gläubigen in seinen eher unspektakulären Bann gezogen. Dann sorgten kritische Worte dieses brillanten Denkers für Aufruhr bei Muslimen. Sie waren verärgert über Benedikts islam-kritisches Zitat in der „Regensburger Rede“ im September 2006.

Kommunikationspannen des Vatikans verschlimmerten dann die Krise rund um die Wiederannäherung Roms an die erzkonservativen Pius-Brüder mit dem Holocaustleugner Richard Williamson. Später verbreiterte das häppchenweise Aufdecken sexuellen Missbrauchs die Kluft zwischen der Kirche und den Gläubigen. In dieser tiefsten Krise seiner Kirche seit langem beklagte er die „Sünde in der Kirche“, bat um Vergebung und forderte „Null Toleranz“. Die Affäre um die Veröffentlichung geheimer Papiere des Vatikan – das sogenannte Vatileaks – sorgte 2011/2012 für Wirbel.

Benedikt wollte die Einheit der Kirche bewahren auch in heiklen Jahren – so gut es eben geht. Und er hielt deshalb trotz aller Kritik an den Werten fest, die er als überlebensnotwendig ansieht. So blieben lange geforderte Reformen etwa beim Zölibat oder der Sexualmoral aus. Wandel im Vatikan braucht Zeit, und der Papst schien mehr auf eine innere Erneuerung des Menschen statt auf Strukturreformen der Kirche im 21. Jahrhundert zu setzen.

„Im Wesentlichen eine konservative Persönlichkeitsstruktur“

„Benedikt ist nicht gewählt worden, um das Steuer des Kirchenschiffs herumzureißen“, erläuterte einmal der ehemalige Ratzinger-Schüler Wolfgang Beinert. „Er hat eine im Wesentlichen konservative Persönlichkeitsstruktur.“ Und so blieb er der ablehnenden Haltung zu Abtreibung und Kondomen treu, betonte die „Einzigartigkeit“ der katholischen Kirche und ließ liturgische Formen aus der Zeit vor den Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils wieder zu.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer