Der US-Staat legalisiert den Verkauf von Marihuana. Kritiker warnen vor den Folgen.

dpa

Denver. Die Zeit der illegalen Deals in dunklen Gassen ist vorbei. Zum ersten Mal in der Geschichte der USA erlaubt ein Bundesstaat den Verkauf und Genuss von Marihuana zu nicht-medizinischen Zwecken. Seit gestern können Konsumenten, die älter als 21 Jahre alt sind, in Colorado ganz offiziell in einem Laden Marihuana kaufen. Washington will im Laufe dieses Jahres folgen. Im Dezember legalisierte Uruguay als weltweit erster Staat Anbau und Verkauf von Marihuana.

Die Läden können sich sehen lassen. Sie wirken wie die Geschäfte von Juwelieren oder Nobel-Wellnessstudios. Verschiedene Marihuana-Sorten sind in Glasvitrinen ausgestellt. Gut informierte Verkäufer diskutieren mit Kunden die Eigenschaften der Gras-Varianten.

Zu medizinischen Zwecken war der Konsum in 20 Staaten erlaubt

Bislang war in 20 US-Bundesstaaten der Marihuana-Konsum zu medizinischen Zwecken gestattet. Doch die Regelung in Colorado geht viel weiter. Es wird erwartet, dass andere US-Bundesstaaten wie etwa Kalifornien bald ihrem Beispiel folgen könnten. Auch auf Bundesebene – wo Cannabis weiterhin illegal bleibt – könnte es Änderungen geben. Das Justizministerium will sich nicht einmischen, solange die Bundesstaaten die Gesetze umsetzen und verhindern, dass Kriminelle den legalen Cannabishandel kontrollieren.

Kritiker: „Junge Menschen bekommen ein falsches Bild“

Eine Mehrheit der US-Bürger steht klar hinter der Legalisierung. In einer Umfrage befürworteten dies 58 Prozent der Befragten. Im Jahr 1969 waren es noch zwölf Prozent. Derzeit werden in den USA jährlich etwa 750 000 Menschen wegen Straftaten rund um Marihuana festgenommen. Diese Zahl wird mit der Legalisierung wohl sinken.

Anti-Cannabis-Aktivisten befürchten aber, dass der Konsum der Droge zunimmt, dass mehr Teenager kiffen werden und die erhofften hohen Steuereinnahmen ausbleiben. „Junge Menschen bekommen von den Kampagnen für medizinisches Marihuana und für die Legalisierung ein falsches Bild“, sagte der Chef der US-Drogenkontrollbehörde Gil Kerlikowske.

Elektronische Kennzeichnung der Pflanzen bereitet Probleme

Verfechter der Legalisierung befürchten, dass zu viel Bürokratie die Reform ersticken könnte. Ein Hauptproblem ist die elektronische Kennzeichnung jeder Pflanze. Diese soll verhindern, dass legal angebautes Cannabis auf den Schwarzmarkt gelangt und zugleich sicherstellen, dass alles versteuert wird. Doch die für das System in Colorado verantwortliche Firma verlangt hohe Preise für die elektronischen Etiketten. Pot-Unternehmer klagen, sie könnten sich das kaum leisten.

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