Die ersten Städte stellen Räumungsbefehle aus. Mit den Tätern müssen auch Eltern und Geschwister die Sozialwohnungen verlassen.

Diese Londoner protestierten am Wochenende gegen die Randale, aber auch gegen bevorstehende Kürzungen im Jugend- und Sozialbereich.
Diese Londoner protestierten am Wochenende gegen die Randale, aber auch gegen bevorstehende Kürzungen im Jugend- und Sozialbereich.

Diese Londoner protestierten am Wochenende gegen die Randale, aber auch gegen bevorstehende Kürzungen im Jugend- und Sozialbereich.

dpa

Diese Londoner protestierten am Wochenende gegen die Randale, aber auch gegen bevorstehende Kürzungen im Jugend- und Sozialbereich.

London. Die erste Familie mit Randalierer-Kindern hat die Kündigung für ihre Sozialwohnung erhalten: Maite de la Calva muss ihre Drei-Zimmer-Wohnung in London räumen, nachdem ihr Sohn Daniel (18) wegen Diebstahl und Gewalttätigkeit verurteilt worden ist. Andere Stadtverwaltungen wollen ähnlich verfahren. Bei den mehrtägigen Unruhen waren fünf Menschen ums Leben gekommen.

Plünderer sollen „angemessenen Preis für ihre Taten zahlen“

Am Donnerstag hatte Premier David Cameron den Plünderern englischer Großstädte noch null Toleranz angekündigt, wenig später stellte die Bezirksverwaltung Wandsworth im Süden Londons den ersten Räumungsbefehl aus: Maite de la Calvas Sohn war am Montag festgenommen worden, als er mit rund 100 anderen Jugendlichen einen Elektronikladen im Stadtteil Battersea ausräumte.

„Unsere Verwaltung geht bis zum Äußersten, um sicherzustellen, dass Plünderer einen angemessenen Preis für ihre Taten zahlen“, heißt es in dem Brief des konservativen Stadtrates Ravi Govindia. „Unsere Beamten arbeiten mit den Gerichten zusammen, um etwaige Sozialhilfeempfänger unter den Randalierern aufzudecken.“

Tausende Engländer fordern, den Tätern die Sozialhilfe zu streichen

Der 18-jährige Daniel hat vor Gericht ausgesagt, er sei unschuldig. Seine Mutter beteuert, er sei „nur zur falschen Zeit am falschen Ort“ gewesen. Sie will juristisch gegen die Räumung vorgehen: „Mein Name steht auf dem Mietvertrag, nicht der meines Sohnes. Ich bin nicht verantwortlich für das, was Daniel tut oder lässt.“

Diese Argumentation stößt in England jedoch auf wenig Sympathie. Vielmehr bekommt Premier David Cameron Rückenwind für seinen harten Kurs. Eine Online-Petition, nach der Randalierern die Sozialhilfe komplett gestrichen werden soll, bekam innerhalb von 48 Stunden mehr als 100 000 Unterstützer. Die Internetseite der Regierung war wegen der hohen Resonanz stundenlang nicht erreichbar.

„Wer plündert, verspielt sein Recht auf eine steuerlich subventionierte Sozialwohnung“, bekräftigte Cameron gestern seine Vorgehensweise. „Krawallmacher müssen sich ab sofort selbst eine Wohnung zu regulären Marktpreisen besorgen.“ Unter 1800 Euro Warmmiete wird Maite de la Calva also kaum Ersatz für ihre Unterkunft in Südlondon finden, in Sozialwohnungen zahlen die Mieter höchstens halb so viel.

Andere Städte wollen ähnlich vorgehen. Das Sozialamt von Manchester hat angekündigt, einen Räumungsbefehl an die Eltern eines Zwölfjährigen zuzustellen, der Wein für zehn Euro erbeutet hatte.

Die soziale Zeitbombe tickt weiter: Bezirk erhebt sogar Spielplatzgebühr

Für viele Briten ist die Gerechtigkeit mit diesen Maßnahmen erst einmal wieder hergestellt – die soziale Zeitbombe in vielen Vierteln tickt jedoch weiter. Der Bezirk Wandsworth bessert sein Budgetdefizit von 65 Millionen Euro auf dem Rücken der Kinder auf. So beschloss die Verwaltung vor Monaten, 2,80 Euro pro Spielplatzbesuch zu berechnen. Auch Cameron hat klargestellt, dass Kürzungen bei der Jugendhilfe nicht zurückgenommen werden.

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