Die deutschen Soldaten in Afghanistan werden Weihnachten fernab von ihren Liebsten verbringen.

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Bundeswehr-General Carsten Jacobson schmückt einen Plastik-Weihnachtsbaum im Isaf-Hauptquartier in Kabul.

Bundeswehr-General Carsten Jacobson schmückt einen Plastik-Weihnachtsbaum im Isaf-Hauptquartier in Kabul.

dpa

Bundeswehr-General Carsten Jacobson schmückt einen Plastik-Weihnachtsbaum im Isaf-Hauptquartier in Kabul.

Kabul. Für die Unteroffiziere René Z. und Georg L. wird das bevorstehende Weihnachtsfest nicht leicht werden. Die beiden Berliner sind für die Bundeswehr im gefährlichen Einsatz in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Beide haben sie schwangere Freundinnen zu Hause. „Es ist schon schade, dass man nicht bei seiner Familie ist“, sagt Oberfeldwebel Z. mit Blick auf den Heiligabend.

Für die Partnerinnen sei die Trennung noch viel schwieriger als für die beiden werdenden Väter, sagt Z. „Die sind auch sehr traurig. Das sagen sie auch fast jedes Mal beim Telefonat.“ Beide Frauen seien aber „ziemlich stark, und das erleichtert uns natürlich das Arbeiten hier“.

Telefonate in die Heimat sind die Höhepunkte des Festes

Geschenke wünschen sich die beiden Soldaten nicht, damit könnten sie im Einsatz in Kabul wenig anfangen, sagen sie. „Für mich persönlich wäre es sehr wichtig, zu Weihnachten Briefe von der Familie zu kriegen, vielleicht auch von Freunden oder so, um ein bisschen Heimat hierher zu bekommen“, meint L.. „Ein bisschen Heimat, das wäre schon schön.“

Z. sagt, er freue sich auf ein Telefonat mit der Freundin an Heiligabend – selbst wenn es nur zehn Minuten dauere. „Das ist dann der Höhepunkt an Weihnachten.“

Die beiden Unteroffiziere sind im Hauptquartier der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf in Kabul stationiert. In der dortigen Pressestelle steht ein kleiner Plastik-Tannenbaum, irgendwer hat ihm Kuhhörner und eine amerikanische Flagge aufgesteckt. Die Lichterkette, die an den Zweigen hängt, hat Isaf-Sprecher Carsten Jacobson aus dem Heimaturlaub mitgebracht.

Die emotionale Belastung für die Soldaten ist besonders groß

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) sieht „erstmals seit vielen Jahren“ eine Verbesserung der Sicherheitslage in Afghanistan. Bei einem Überraschungsbesuch kurz vor Weihnachten im nordafghanischen Einsatzgebiet sagte er gestern: „Wir haben einen Rückgang der sicherheitsrelevanten Zwischenfälle um 25 Prozent in ganz Afghanistan und um die Hälfte im Norden.“ Diese Einschätzung ist international umstritten. Die Vereinten Nationen zählten bis Ende November 21 Prozent mehr Vorfälle als im Vorjahreszeitraum.

Ein deutscher Soldat ist gestern bei einer Patrouille in der Provinz Kundus durch einen Schuss verletzt worden. „Vermutlich liegt kein Fremdverschulden vor“, teilte die Bundeswehr mit. „Der Soldat befindet sich derzeit in einem stabilen Zustand im Rettungszentrum Kundus und wird medizinisch versorgt.“

Der Bundeswehr-General und Familienvater wird den Heiligabend ebenfalls im Hauptquartier verbringen. Er räumt ein: „Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, ich wäre Weihnachten nicht gerne zu Hause.“ Es sei aber wichtig, dass auch die Vorgesetzten in einem solchen Moment bei ihren Soldaten seien. „Die emotionale Belastung, die über das ganze Jahr vorhanden ist, wird natürlich gerade in diesen Tagen und diesen Stunden besonders schwerwiegend“, meint Jacobson.

Die Soldaten träfen sich an Heiligabend im „Deutschen Eck“, der Betreuungseinrichtung der Bundeswehr, sagt Jacobson. „Die eine oder andere Dose alkoholfreien Bieres wird wahrscheinlich auch dabei sein. Statt Glühwein nehmen wir vielleicht angewärmten Preiselbeersaft.“ Dass im Hauptquartier Alkoholverbot herrsche, werde die Stimmung nicht beeinträchtigen. „Es geht bei Weihnachten ja nicht darum, dass man besinnliche Getränke zu sich nimmt, sondern dass man besinnlich ist.“ Zu essen gibt es Würstchen und Kartoffelsalat – ganz traditionell.

Hauptfeldwebel L. sagt, zahlreiche Ehen zerbrächen daran, dass die Soldaten immer wieder für Monate am Stück im Ausland seien. L.s Baby und auch das seines Kameraden Z. sollen im Juni zur Welt kommen. Bis dahin sollen die Soldaten wieder daheim bei ihren Liebsten sein.

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